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Außergewöhnliches

Finde dein Warum. Purpose Coach Marilena Berends im Interview

von Hannah
Persoenlichkeits Coach Marilena Berends steht mit verschraenkten Armen an der Wand gelehnt

Sinneswandel: Marilena Berends‘ Gratitude Daily entwickelt sich weiter

In unseren Top 7 der deutschsprachigen Podcast haben wir euch den Gratitude Daily Podcast von Marilena Berends vor einer Weile bereits vorgestellt. Ein Podcast, der sehr nah und vertraut wirkte, mit interessanten und sehr persönlichen Themen, einer jungen Frau, auf einer Reise zu sich selbst. 

Was will ich eigentlich? Diese Frage hat sich sicherlich jeder von uns schon mindestens einmal in seinem Leben gestellt. Doch eine Antwort darauf finden nur wenige. Marilena hat ihre eigene Purpose Journey in ihrem Podcast mit uns geteilt und vorgemacht, dass es gar nicht so schlimm ist, einen Sinneswandel zu haben. Denn wie der griechische Philosoph Heraklit schon so schön sagte “Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung.”

Im Interview erzählt Marilena Berends über ihren Weg von der Illusion einer sicheren BWL-er Karriere, bis hin zum Purpose und Business Coach und wie die Überwindung ihrer Magersucht dazu beigetragen hat, heute angstbefreiter und mutiger durchs Leben zu gehen.

Overview: Wo findet man dich morgens um 7?

Marilena Berends: Ich habe keine lange Morgenroutine, aber irgendeine Form der Bewegung baue ich meist ein. Ich stehe meist gegen 06:30 Uhr auf und gehe joggen. Ich merke, dass mir der Sport am Morgen richtig gut tut. Gen Abend sinkt meine Motivation eher. 

Overview: Du hast gerade einen Workshop gegeben zum Thema Finde dein Warum. Was ist denn dein Warum?

Marilena Berends: Ich glaube nicht, dass es ein lebenslanges, gleichbleibendes Warum geben muss, denn man kann sich schließlich immer wieder selbst neu finden. Mein warum verändert sich auch. Jetzt gerade lautet es bei mir: Ich stehe morgens auf, um Menschen zu ermutigen, neue Wege zu gehen. 

Persoenlichkeits Coach Marilena Berends bei einem Vortrag

Overview: Dein Podcast macht das deutlich. Vorher hieß er Gratitude Daily und heute Sinneswandel. Wie kam das bei deinen ZuhörerInnen an?

Marilena Berends: Ich hatte die Befürchtung, dass sich einige abwenden würden. Früher hieß mein Podcast Gratitude Daily – Podcast für mehr Lebensfreude, Bewusstsein und Gelassenheit. Heute heißt er Sinneswandel – Podcast für persönliche und gesellschaftliche Transformation. 

Bei Gratitude Daily ging es mehr um Achtsamkeit und Persönlichkeitsentwicklung . Auch meine eigene, an der ich die Zuhörer*Innen Teil haben ließ.

Sinneswandel befasst sich mehr mit der Gesellschaft. Mir gehts darum, den Blick zu weiten, die eigene Entwicklung in einem größeren Kontext zu sehen. Sich zu fragen Was kann ich selbst tun, um gesellschaftliche Transformation in eine Richtung zu unterstützen, die ich befürworte. Ich würde sagen, der Podcast ist nun politischer und gesellschaftskritischer geworden. Tatsächlich ist das, habe ich zumindest das Gefühl, auch sehr gut angekommen. Das kann auch daran liegen, dass ich meine Community an diesem Sinneswandel Teil haben ließ, es also keinen abrupten Wechsel gab. Ich habe meine Community daran partizipieren lassen und seit dem sind es auch mehr geworden. Ich teile auch nach wie vor Persönliches. 

Overview: Ist der Podcast eine Art Selbsttherapie (gewesen)?

Marilena Berends: Wegen der Magersucht und der dadurch resultierenden depressiven Phase, war ich viele Jahre selbst in Therapie. Mit dem Podcast wollte ich mir selbst einen Raum geben, um meine Erfahrungen und Gedanken zu teilen. Ich hatte zuerst einen Blog und das Schreiben macht Spaß, aber es ist nicht zu 100% mein Medium. Sprechen mag ich wiederum sehr gerne. 

Es war dennoch eine große Überwindung für mich, denn gefühlt, ist mein Leben sehr banal und gewöhnlich. Was hab ich schon zu erzählen? Aber Banalität vermissen die Menschen vielleicht auch. Und authentisch zu berichten, wie sie dort hingekommen sind, wo sie heute sind. 

Overview: So viel Privates von sich preiszugeben macht einen auch angreifbar. Wie war es für dich, sich verletzbar zu machen?

Marilena Berends: 2016 habe ich mit Instagram begonnen, 2017 folgte dann der Blog. Ich habe dadurch mehr Aufmerksamkeit und Bestätigung erhalten, wodurch mir der Schritt zum Podcast leichter fiel.

Das Thema mit der Magersucht in die Öffentlichkeit zu tragen war schon eine Herausforderung. Ich hatte Angst vor Ablehnung, und mich gefragt, ob mich die Zuhörer*Innen danach überhaupt noch ernst nehmen würden. Aber ich habe viel positives Feedback erhalten und damit wahrscheinlich noch mehr Vertrauen geschaffen. 

Wir müssen noch mehr für die “Entschamifizierung” tun und über Themen sprechen, die tabuisiert werden. Es passiert zwar viel, aber es gibt noch ganz viel Luft nach oben. Dieses Gefühl, man sei nicht gut genug, tragen noch so viele in sich und viele beruhigt es dann zu hören, dass es noch andere gibt, denen es ähnlich geht; dass sie nicht alleine sind.

Overview: Wie war das mit der Magersucht? Wie kam es dazu und wie hast du geschafft da heraus zu kommen?

Marilena Berends: Es gab nicht den einen Punkt, der die Magersucht ausgelöst hat. Aber ich war damals sehr verunsichert. Ich ging auf ein recht elitäres Gymnasium mit Ellbogenmentalität. Das war mir bis zu dem Zeitpunkt eher unbekannt, denn ich komme aus einer eher bodenständigen Familie. Ich hatte das Gefühl, nicht dazu zu gehören. Meine Noten wurden schlechter und ich suchte nach Halt. Vor allem, weil ich gegen Ende der Schulzeit nicht wusste, wie es für mich weitergehen sollte. Ich hatte keine Ahnung wer ich bin, was macht mich aus, wo will ich hin. Die Magersucht war meine „Lösung“ damit umzugehen. Es hätte aber auch eine andere Sucht sein können, ich suchte einfach nach einem Halt. Etwas, das ich kontrollieren konnte.

Es ist schwer da herauszukommen, wenn man keinen anderen Ankerpunkt hat. Es hat seine Zeit gebraucht, das Selbstbewusstsein zurück zu erlangen. Doch irgendwann hatte ich auch die mentale Kapazität wieder und realisierte: Ich will nicht so unfrei seinIch möchte ein Leben leben, das ich genieße und keines, indem ich mich einschränke. Wobei es mir weniger um meine Optik ging, als um das, was innerlich nicht in Ordnung war.

Meine Magersucht hat, rückblickend betrachtet, einen großen Anteil daran, warum ich heute so wenig Angst hab. Nichts ist vergleichbar mit dem, was ich damals durchgemacht hab. Deswegen weiß ich, egal was kommt, ich kann das schaffen.

Overview: Was war dein größtes Learning?

Marilena Berends: Mein Therapeut fragte mich: Marilena, wer ist der wichtigste Mensch in deinem Leben? – Meine Eltern!, sagte ich. 

Er meinte Überleg noch mal.  …. DU bist der wichtigste Mensch in deinem Leben! Sich selbst „wichtig“ zu nehmen und sich zu akzeptieren, ist durchaus wichtig. Diese Erkenntnis nun in mein Leben zu implementieren ist nicht immer leicht und ich arbeite nach wie vor daran. Der Prozess ist nicht abgeschlossen. 

Overview: Du wolltest Unternehmensberaterin werden, hast aber schnell gemerkt, das ist gar nicht deins. Mit Sinneswandel scheinst du nun doch wieder mehr in diese Richtung zu gehen, oder? 

Marilena Berends: Ja, irgendwie lässt sich doch wieder alles zusammen puzzlen. Das BWL Studium habe ich dann 2018 auch abgeschlossen. Man muss sich ja nicht unnötig Türen verbauen, die schon sperrangelweit offen stehen. Die Arbeit mit Menschen macht mir großen Spaß. Wenn ich in einem Unternehmen bin und ich merke, ich kann etwas bewegen und in eine Richtung verändern, die gut ist, ist das toll. Momentan findet ein großer Umbruch statt, alles muss digitalisiert werden. Ich möchte gerne den Blick darauf lenken, wie wir unsere Menschlichkeit bewahren. Humanising work, sozusagen.

Overview: Woher nimmst du das Selbstbewusstsein, zu denken, dass Ältere sich etwas von dir sagen lassen?

Marilena Berends: Ich habe eine NLP Ausbildung gemacht, und viele unterbewusste Glaubenssätze und Annahmen bei mir festbestellt. Wie bspw. Ich bin zu jung um Beraterin zu sein. Es geht natürlich nicht, ohne, dass die Menschen selbst aufgeschlossen sind. Aber, ich darf mit einem Selbstbewusstsein in die Situation reingehen, denn letztlich geht es ja ums Ergebnis. Es geht darum, aus diesem “Das haben wir schon immer so gemacht” Schema mal herauszukommen und sich auf etwas Neues einzulassen.

Wir lernen doch auch viel von Kindern und die sind jünger als wir. Es ist immer noch eine Herausforderung, aber es macht Spaß und ich darf da noch hineinwachsen. 

Overview: Wie war es für dich anzufangen Geld zu verlangen?

Marilena Berends: Das war gar nicht so leicht und auch wieder eine Glaubensansatzarbeit. Ich habe mit kostenlosem Content angefangen und irgendwann fing es dann an, dass ich gefragt wurde, ob man etwas kaufen könne. Ich wusste nicht, was ich dann verkaufen sollte. Soll ich einen Flohmarkt machen? Nach und nach hab ich dann jedoch realisiert, dass scheinbar langsam der Zeitpunkt da ist, an dem ich überlegen kann, wie ich meine Arbeit monetisieren kann. 

Overview: Was ist die größte Herausforderung deiner Kunden? Warum kommen sie zu dir?

Marilena Berends: Es kommen wirklich alle Altersgruppen und alle Geschlechter. Was sie vereint ist, dass sie sich unsicher sind, was sie eigentlich wollen. Sich einfach mal Zeit für sich zu nehmen und sich zu fragen was und warum man die Dinge tut, die man tut. Wir leben in einer Multioptionsgesellschaft. Es gibt viel Auswahl und für irgendwas muss man sich ja auch entscheiden. Für sich herauszufinden Was ist meins? Man darf sich auch ausprobieren und neue Wege gehen, um herauszufinden, was einen bewegt im Leben und am Ende connecting the dots spielen. Wir sind uns gar nicht bewusst, was alles in uns steckt. 

Get an overview w/ Marilena Berends

Wer bist du und was machst du?

Marilena aus Hamburg und bin Coach und Podcasterin.

3 Tipps für alle, die etwas starten wollen?

  1. Finde etwas, das dich bewegt. Etwas, worin du dich weiterentwickeln oder auch einen (gesellschaftlichen) Beitrag leisten möchtest.
  2. Finde Menschen, die sich mit deinem Why, deiner Vision, verbinden. Gemeinsam macht das auch mehr Spaß.
  3. Löse dich vom Perfektionismus.

Hast du ein Motto?

Be the change you wish to see in the world. Gandhi

Gibt es einen Satz, der dich geprägt hat?

Die bereits erwähnte Frage meines ehemaligen Therapeuten damals hat ein Ah-Erlebnis in mir ausgelöst.

Wie wäre der Mensch, der das komplette Gegenteil von dir ist?

Sehr geduldig, aber tendenziell etwas undiszipliniert. Und humorlos.

Auf welche deiner Eigenschaft(en) bist du stolz?

Gelassenheit. Eine Eigenschaft, die ich auch lange nicht hatte. 

Was ist deine Achilles Verse?

Ich kann ziemlich dominant sein. Bin sehr straight und mache mein eigenes Ding. Ich bin auch sehr ungeduldig. 

Wer hat einen Blumenstrauß verdient?

Du, weil du so tolle Fragen gestellt hast; Isabelle, die mit mir hierher gefahren ist; und natürlich meine Mama und mein Papa.

Dein Gedanke bei folgenden Worten:

Urlaub?

Natur und Berge.

Essen?

Ziegenkäse.

Erfolg?

Ist ein Gefühl.

Instagram?

Ich guck mir nur Stories an.

Wie sieht dein Masterplan aus?

Existiert nicht.

Dein Plan B?

Ich hab keine Ziele oder eine 5-Jahresvision. Ich möchte mal Kinder haben, einen tollen Partner, dass meine Familie gesund ist. Ich würde gerne eine Zeit lang in Italien leben wollen.

Welche Werte sind dir wichtig?

Freiheit. Meine eigene, aber mich auch für die Freiheit anderer einzusetzen. Gerechtigkeit ist mir extrem wichtig. Liebe ist so allgemein, aber ich möchte ein Leben leben, in dem ich mit viel Liebe begegne und akzeptiere. Generell ein liebevoller Umgang und Respekt. 

Was ist deine Buchempfehlung?

Jäger, Hirten, Kritiker: Eine Utopie für die digitale Gesellschaft von Richard David Precht

© 2019 Overview Magazine

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