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Interviews

Fairster-Gründer Tobias Hirt: „Strom ist einfach – der Markt macht ihn kompliziert.“

von Jen
Tobias Hirt von Fairster im Interview über zu hohe Strompreise

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Warum dein Stromvertrag der nächste Quick Win für dein Konto ist

Hand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal deine Stromrechnung geprüft oder je wirklich verstanden? Meistens landen diese Briefe ungeöffnet in der Ablage – dabei schlummert hier oft ein riesiges Sparpotenzial für deine finanzielle Freiheit! Tobias Hirt hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau hier Licht ins Dunkel zu bringen. Als „Stromrebell“ und Gründer von Fairster zeigt er uns, dass Energiepreise kein Schicksal sind, sondern eine Chance, bares Geld zurückzuholen. Wir sprechen mit ihm darüber, wie du dich vor Abzocke schützt, warum Wissen die beste Rendite ist und wie viel Spaß es macht, die Kontrolle über die eigenen Fixkosten zurückzugewinnen.

Overview: Tobias, warum bist du zum „Stromrebellen“ geworden? Was war das Erlebnis, das dich so wütend gemacht hat, dass du beschlossen hast, die Energiebranche von Grund auf zu verändern?

Tobias Hirt: Der Begriff „Stromrebell“ ist eigentlich eher von außen an mich herangetragen worden. Dabei suche ich gar nicht die Rebellion um der Rebellion willen. Mir geht es vielmehr um eine ganz grundlegende Haltung: Ich möchte mir schlicht nicht alles gefallen lassen, was in diesem Markt als normal gilt. Das „rebellische“ Image ist daraus entstanden, dass wir uns aktiv gegen die Praktiken der Versorger auflehnen. Wir haben erkannt, dass wir mit digitalen Werkzeugen, mit Datenbanken und Algorithmen, eine echte Chance haben, dieses verkrustete System herauszufordern. Es war dieser Impuls, nicht mehr länger nur zuzusehen, sondern aktiv eine Veränderung herbeizuführen, der alles ins Rollen gebracht hat.

Tobias Hirt von Fairster im Interview über gerechte Strompreise
Tobias Hirt © Maximilian Koenig

Energie ist eigentlich ein „unsichtbares“ und oft langweiliges Produkt. Wie schaffst du es, dieses Thema modern und für eine junge, bewusste Zielgruppe relevant zu machen?

Tobias Hirt: Ich glaube, wir müssen vor allem lernen, den „Lärm der Außenwelt“ auszublenden. Der Energiemarkt ist heute unglaublich laut – überall gibt es neue, vermeintlich günstige Tarife, attraktiv klingende Boni, bunte Labels und komplexe Angebote, die am Ende doch alle dasselbe verkaufen.  Relevanz entsteht für mich dann, wenn wir diese künstlichen Schleifen weglassen und uns auf die nackte Transparenz konzentrieren. Wer sich nicht von diesem Marketing-Rauschen beeindrucken lässt, merkt schnell, wie simpel das Produkt eigentlich ist. Für eine bewusste Generation geht es nicht um die schönste Verpackung, sondern um die Klarheit und die Wahrheit dahinter. Wenn wir die Komplexität reduzieren, wird das Thema plötzlich greifbar und modern.

Du hast dich gegen Profitmaximierung entschieden. Ist „Fairness“ für dich das neue Statussymbol im modernen Unternehmertum?

Tobias Hirt: Für mich ist Fairness kein Statussymbol, sondern die Grundlage für nachhaltiges Unternehmertum. Ich habe mich nie gefragt, wie man möglichst viel aus einem Stromvertrag herausholen kann, sondern wie man ihn für Menschen verständlicher und fairer gestalten kann.

Denn mir hat es nie gefallen, dass Energieversorger als Zwischenhändler, ein solch intransparentes Konstrukt bauen. Sie benutzen Taschenspielertricks, um sich Geld in die eigene Tasche zu stecken, obwohl sie nur der Mittelsmann sind. Diese Intransparenz hat mich wahnsinnig gestört, weil sie genutzt wurde, um den Kunden zusätzlich zur Marge noch mehr auszubeuten.

Genau daraus ist Fairster entstanden. Ich sehe uns als Brücke zwischen Produzenten und Verbrauchern. Aber nicht als eine Brücke, die einem Tunnel gleicht, bei dem niemand weiß, was zwischen Anfang und Ende passiert. Sondern als eine Brücke, auf der jeder Schritt nachvollziehbar ist: Was erhält der Produzent? Welche Kosten entstehen für Beschaffung, Absicherung und Netzinfrastruktur? Und was zahlt der Kunde tatsächlich?

Am Ende bekommt der Kunde wirklich das, was er eigentlich haben wollte. Strom zum Selbstkostenpreis, so produziert, wie er es sich wünscht.

Welche Rolle spielen Daten und Algorithmen in deiner Arbeit bei Tobias Hirt Verbraucherschutz?

Tobias Hirt: „Wir haben damals gesagt: Wenn wir einen einzelnen Fall mit Stift und Papier lösen können, dann sollten wir das auch mit Datenbanken und Algorithmen schaffen. Genau daraus ist unser Legal-Tech-Ansatz Tobias Hirt Verbraucherschutz – kurz THV – entstanden.

Bei Tobias Hirt Verbraucherschutz nutzen wir digitale Prozesse, um Muster zu erkennen, Ansprüche effizient zu prüfen und Verbrauchern den Zugang zu ihrem Recht zu erleichtern. Technologie hilft uns dabei, Transparenz in Märkte zu bringen, die für viele Menschen schwer durchschaubar sind.

Unser Ziel ist es, die Komplexität für Verbraucherinnen und Verbraucher beherrschbar zu machen. Was früher aufwendige Einzelfallarbeit war, können wir heute strukturiert und skalierbar auswerten. So wird Verbraucherschutz für deutlich mehr Menschen zugänglich.

Welche Erfahrungen aus deinen Verbraucherschutzfällen zeigen dir, wo der Energiemarkt noch nicht fair genug funktioniert?

Tobias Hirt: Mich schockiert die Arroganz, mit der viele Akteure in dieser Branche agieren. Es fühlt sich oft wie eine passive Ausbeute der Gesellschaft an. Ich bin ehrlich gesagt immer noch erstaunt, obwohl ich jetzt auf die Dinge zeige, was für eine Arroganz diese Branche immer noch hat. Ich hatte jüngst ein Gespräch mit einem Fernwärmeanbieter, der tatsächlich die Frechheit hatte, meine Kunden zu erpressen und damit drohte, die Leitung abzuschalten, obwohl er schon kurz vor einer Niederlage vor dem Landgericht stand. Diese Arroganz zu haben, so über die Mieter zu urteilen, ist erschreckend. Ich hoffe, dass das, was wir machen, bald einen Impact hat und mehr Sensibilität und Empathie für den eigentlichen Kunden in diesen Markt zu bringen

Oft heißt es, wer nachhaltig sein will, muss mehr zahlen. Du sagst, es geht auch fair und günstig. Wie passt das zusammen?

Tobias Hirt: Nachhaltigkeit heißt für mich nicht nur, dass ich Ökostrom anbiete. Nachhaltigkeit bedeutet auch, langfristig zu denken, transparent zu handeln und fair mit Kundinnen, Kunden und Produzenten umzugehen. Ich habe in den letzten zehn Jahren festgestellt: Wenn wir in allen Bereichen nachhaltig agieren, also auf langfristige Verhältnisse setzen, dann zahlt sich das am Ende immer aus. Ich glaube nicht, dass nachhaltige Produkte immer teuer sein müssen, weil vele Kosten im Energiemarkt nicht durch die erneuerbaren Energien selbst entstehen, sondern durch komplexe Vertriebsstrukturen, hohe Marketingbudgets, Lockangebote oder die Finanzierung von Gewinnzielen. Genau deshalb müssen Nachhaltigkeit und faire Preise kein Widerspruch sein.

Im Gegenteil: Wenn man langfristig plant, transparent wirtschaftet und auf stabile Produzentenbeziehungen statt auf kurzfristige setzt, zahlt sich das hintenraus aus. Das zeigt sich auch ganz konkret: Wir haben in unserem ersten Geschäftsjahr über zwei Cent pro Kilowattstunde rückerstattet, in Summe 350.000 €. Und: Unsere Kunden verlassen uns kaum –  wer sich einmal für uns entscheidet, bleibt in der Regel dauerhaft bei uns. Der Wechsel zu uns ist meist der letzte Wechsel. Dass wir nicht so viel Energie reinstecken müssen, um Kunden durch Verschleierung zu halten, spart uns enorm viel Geld. Das macht es am Ende effizienter und günstiger für die Kunden.

Wenn du in zehn Jahren auf die Energiebranche blickst – was muss sich grundlegend geändert haben, damit du sagst: „Mission erfüllt“?

Tobias Hirt: Wenn ich mal ein bisschen in eine Utopie abschweifen darf: Ich halte nicht viel von diesem künstlichen Wettbewerb im Stromversorgungsmarkt, wo es nur darum geht, welchen Anbieter man wählt, um möglichst hohe Neukunden-Boni abzugreifen, um dann nach einem Jahr wieder zu wechseln. Mein Ziel wäre es, dass es gar keinen Wettbewerb in dieser Form mehr geben muss, sondern dass es rein um die Energieversorgung und die Interessen der Endverbraucher geht. Dass das Team und die Konsumenteninteressen im Vordergrund stehen. Das wäre das Ziel, auf das wir uns einstellen.

Tobias Hirt © Maximilian Koenig

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