Mit dem Besuch der Seite stimmst du unserer Datenschutzerklärung und der Nutzung von Cookies zu. OK
Interviews

Jan Martin: Ein Wunderkind der Berliner Startup Szene

von Hannah
Jan Martin Gruender von Pitch und 6Wunderkinder

Jan Martin über seine Kindheit in Brandenburg, den Deal mit Microsoft und das neue Baby Pitch 

Jan Martin ist ein Wunderkind, im wahrsten Sinne des Wortes. Als Mitgründer des Berliner vorzeige Startups 6Wunderkinder, ist Jan mitverantwortlich für den heißen Ruf Berlins als Startup Hub. Seine Expertise: Design.

Jan Martin und ich kennen uns noch aus der Studienzeit. Mich persönlich inspiriert Jans Geschichte sehr, denn sie gibt mir Zuversicht und macht mir Mut. Als ich damals die Nachricht erhielt, dass Software-Gigant Microsoft sein Produkt Wunderlist für mehrere hundert Millionen US Dollar kaufte, war ich richtig aus dem Häuschen – und stolz. Die “The sky is the limit” – Mentalität hat endlich Deutschland erreicht. Die 6Wunderkinder hatten große Träume und zierten sich nicht, diesen nachzugehen. Ein tolles Team mit großer Vision und vor allem hoher Motivation. Im Beitrag Erst Wunderlist jetzt Pitch: Wie ein Gründerteam Berlin international sexy macht erfahrt ihr mehr Details der Erfolgsgeschichten beider Startups.

Wie das Computerspiel Counter-Strike den Grundstein für eine Unternehmensgründung gelegt hat, was Die Höhle der Löwen Star Frank Thelen mit dem internationalen Erfolg und Verkauf an Microsoft des Berliner Startups zu tun hat und mit welchem Produkt Jan’s neues Startup die Tech-Welt jetzt aufmischt, erfahrt ihr hier:

“Jan, warum nimmst du dir keinen Urlaub?”

Diese Frage stellte ich Jan bereits 2012. Zu diesem Zeitpunkt ging es mit seinem bis jetzt berühmtesten Startup 6Wunderkinder in eine sehr heiße Phase. Pflichtbewusst, als Mitgründer, aber auch als Mitarbeiter, konnte und wollte sich Jan nicht frei nehmen. Als Antwort auf meine Frage rezitierte Jan damals Konfuzius, der sagte:

“Choose a job you love and you will never have to work a day in your life.”

Zum Zeitpunkt dieses Interviews hat Jan bereits sein neues Startup Pitch mitgegründet und findet sich in einer ähnlichen Position wieder. Es gibt stets viel zu tun und er liebt es, mit seinem Team an neuen innovativen Produkten zu arbeiten. Jan Martin schafft es dennoch trotz Stress und viel Arbeit mit seiner lockeren Brandenburger Art seine Umgebung zu unterhalten und sein Team zu motivieren. Er ist immer noch ein geselliger Typ, dem der Erfolg definitiv nicht zu Kopf gestiegen ist.

Aus Brandenburg über das Silicon Valley direkt nach Wedding

Jan Martin ist gebürtiger Brandenburger. Das erahnt man schnell, denn sein heimatlicher Dialekt gehört genau so zu ihm, wie seine Passion für Design und nun auch seine beruflichen Erfolge.

Von einer Kleinstadt aus Brandenburg gelangte Jan über den Verkauf seines Startups an Tech-Gigant Microsoft in sein persönliches Paradies: dem Wedding. Nicht jedermanns erste Wahl, aber Jan liebt es hier und fährt nach wie vor mit dem Fahrrad quer durch Berlin – denn einen Führerschein hat er immer noch nicht. Vielleicht ist das auch sein Schlüssel zum Erfolg: Er bleibt sich selbst treu.

Doch wie kam es überhaupt dazu? Braucht man für den Erfolg das Gründergen oder geht das auch so? Und wie lange dauert es, bis man endlich erfolgreich ist. Jan gibt uns einen Einblick in seine Kindheit und seine Entwicklung zum erfolgreichen Designer, Mitgründer und Investor.

Overview: Jan, viele behaupten, dass man bereits in der Kindheit ungefähr ablesen kann, was für ein Typ Mensch man wird. Hast du das Gefühl, dass bereits in frühen Jahren klar war, dass du erfolgreicher Gründer und Designer wirst?

Jan: Ich war schon immer sehr Kunst orientiert und dies war auch mein Lieblingsfach in der Schule. Meine Mutter hat mich hierbei schon immer unterstützt. Damals hat sie mich für einen Zeichenkurs angemeldet, während Wunderlist konnte ich auf sie zählen und auch heute noch ist sie eine riesige Unterstützung. Diese Leidenschaft zur Kreativität hat sich bis heute nicht geändert. Als Kind habe ich, wie andere auch, draußen viel gespielt, aber hätte ich dann irgendwann Christian nicht durch Counter-Strike kennengelernt, wäre mein Werdegang womöglich in eine andere künstlerische Richtung gegangen. Er ist der Gründungsinitiator.

O: Das musst du nun genauer erklären. Inwiefern hat Counter-Strike euch geprägt?

J:Christian und ich waren zwar in Parallelklassen, doch Counter-Strike hat uns irgendwie zusammen geführt. Es ist ein strategisches Computerspiel, das viel Teamgeist erfordert. Man könnte sagen, dass diese Art zu spielen den Grundstein für alles weitere gelegt hat. Christian hat das Team stets geführt und ich hab hinten rum für Ordnung gesorgt.

Jeder hatte so seine Aufgaben und diese Teamstrukturen ziehen sich doch irgendwie bis heute durch. In der 9. Klasse bin ich deswegen auch sitzengeblieben. Auch die 13. musste ich noch einmal wiederholen. Diesmal hatten wir die erste Firma gegründet, in die ich viel Zeit investiert hatte. Counter-Strike ist ebenfalls ein sehr zeitintensives Spiel und damit immer alles gut funktioniert, haben wir stets an unseren PCs herum geschraubt. Man musste eben wissen wie Computer funktionieren damit Counter-Strike funktioniert. Dadurch haben wir unser technisches Know-How erlangt, und diese Fähigkeiten konnten wir dann in bares Geld umwandeln.

Eigentlich hab ich alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Aber im Nachhinein ist doch irgendwie alles richtig gewesen.

O: Das heißt, dass Computerspiele doch lehrreich sein können?

J: Alles kann irgendwie lehrreich sein. Christian kommt bereits aus einer Unternehmerfamilie und hatte dadurch auf natürliche Art Möglichkeiten entdeckt, sein eigenes Geld zu verdienen. In unserer Kleinstadt boten wir unsere IT Leistungen an. Irische Investoren, die in Berlin angefangen haben Immobilien zu kaufen, kamen dann auf uns zu, damit wir ihre Webseite gestalten und weitere Projekte in Berlin realisieren. Für diese Firma haben wir dann richtig als exklusive Agentur gearbeitet und sind nach Berlin gezogen. Riehmer’s Hofgarten war unter anderem ein Projekt von ihnen. Hier wurde damals Inglorious Bastards gedreht und wir sollten dann das WLAN bei Christina Ricci installieren. Ein ehemaliger Kollege hat noch bis heute den privaten DVD Player von Quentin Tarantino.

O: Das klingt ja schon mal sehr beeindruckend. Wie kam es, dass ihr dann doch kurz vor der Insolvenz standet?

J: Diese Phase war schon sehr interessant. Bei mir passierte alles auf einmal: drohende Insolvenz, Bachelor Arbeit musste geschrieben werden, und ich brauchte eine neue Wohnung, aber fand keine. Unser Kunde war wirklich toll und bot uns viele Vorteile. Sie wollten uns jedoch als exklusive Agentur behalten, aber wir wollten als unabhängige Agentur wachsen und uns vergrößern. So trennten sich schließlich unsere Wege. Als Agentur ist man natürlich immer von seinen Kunden und den Projekten abhängig. Als wir dann mehrere große Kunden hatten und drei davon insolvent gingen, konnten wir gerade noch so die Gehälter bezahlen. Das hat Christian so frustriert, dass wir uns entschlossen, von nun an lieber unsere eigenen Produkte zu entwickeln. Uns war es wichtiger viele Millionen kleinere Kunden zu haben, als wenige große. So entstanden letztendlich die 6Wunderkinder. Wir hatten eigentlich noch ein paar Bewerbungsgespräche am Laufen für diese aktuelle Firma, haben den passenden Leuten aber direkt vom neuen Projekt Wunderlist erzählt. Einer der ersten 6Wunderkind-Mitarbeiter gründete letztendlich mit uns Pitch.

O: Wie habt ihr Frank Thelen dann von eurer neuen Idee überzeugen können, obwohl ihr eigentlich gerade gescheitert seid?

J: Das war eigentlich ganz witzig. Scheitern würde ich das auch nicht nennen. Wir hatten einfach auch Lust auf etwas Neues. Wir waren auch total überzeugt von unserer neuen Idee.

Christian hat schließlich einfach auf Xing gepostet “Wer hat Lust, als Angel in ein junges Startup zu investieren?”.

Eine Stunde später hat sich Frank Thelen darauf gemeldet und so trat er in unser Leben. Frank hat schon ein gutes Gespür für vielversprechende Ideen und hat womöglich auch unseren Enthusiasmus letztendlich gespürt. Zwar standen wir mit unserer Firma kurz vor der Insolvenz, aber wir waren schon immer produktiv und stehen einfach nicht still. Ich glaube, das hat er gemerkt. Man muss sich mit seinem Investor auch wohlfühlen und das taten wir auch mit Frank. In seiner neuen Autobiografie hat er uns sogar ein ganzes Kapitel gewidmet.

Ich war richtig froh, dass es weiterging. Meine größte Angst nach einer möglichen Insolvenz war, dass wir als Team nicht mehr zusammen arbeiten konnten.

O: Ihr seid also stets am Ball geblieben und habt euch nicht demotivieren lassen. Wie kam es, dass Wunderlist dann so krass durch die Decke gegangen ist?

J: Wunderlist ist ein Produkt, dass einfach ist und eigentlich fast jeder braucht. Die Idee war, eine App zu entwickeln, mit der man ganz einfach all seine To-Do’s im Überblick hat, abhaken und gegebenenfalls teilen kann – und das auf jedem Gerät! Das, was es bis zu dem Zeitpunkt auf dem Markt gab, war nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Die App sollte einfacher, schlanker, schneller, schicker und nutzerfreundlicher sein. Außerdem haben wir Wunderlist von Anfang an weltweit vertrieben.

Der App Store war gerade erst entstanden und das erste iPad kam kurz nach unserem Launch auf den Markt. Wir hatten extrem viel Glück zum perfekten Zeitpunkt Wunderlist zu veröffentlichen, wir waren direkt zu Beginn die meistgeladene App der Welt – für mehrere Wochen! Dadurch haben sich viele namhafte Investoren bei uns gemeldet, wie beispielsweise Atomico und dem wohl legendärsten Venture Capitalist aus dem Silicon Valley Sequoia Capital, die auch Apple und Google zu dem gemacht haben, was sie heute sind. Und letztendlich erfolgte der Verkauf an Microsoft – ein Ergebnis aus extrem harter Arbeit, Leidenschaft für tolles Design und gute Produkte, und eine große Portion Glück.

Tweet ueber Wunderlist der 6Wunderkinder

© Wunderlist / Microsoft

O: Ist Berlin bzw. Deutschland gründerfreundlicher als das Silicon Valley?

J: Ich kann mir vorstellen, dass es im Silicon Valley wesentlich härter ist, denn die ganzen Kosten sind dort viel höher um überhaupt anzufangen. Außerdem ist die Konkurrenz enorm. Es ist ein Hotspot und dadurch wollen die Leute auch nur für die erfolgreichsten Startups arbeiten oder werden mit unglaublichen Angeboten abgeworben. Der Konkurrenzkampf ist hart. Wir hatten einmal ein Büro dort, aber das hat sich nicht rentiert. Der Fokus lag einfach auf Berlin. Allerdings gibt es auch gewaltige Herausforderungen in Berlin: es gibt deutlich weniger Kapital als beispielsweise in den US, und viel weniger erfahrenes Talent. Wir sind aber davon überzeugt, dass Berlin einzigartig ist, und wir wollen unbedingt ein großes internationales Softwareunternehmen in Berlin aufbauen. 

(Anm. d. Redaktion: Hier zeigt sich wieder einmal die The sky is the limit Mentalität, über die wir im Beitrag über das Startup Team bereits geschrieben haben und der absolute Erfolgsgarant des Teams rund um CEO Christian Reber ist.)

O: Hast du Tipps für neue Gründer?

J: Berlin ist beispielsweise immer noch ein Hotspot, aber die Spreu trennt sich nun klar vom Weizen. Die Produkte werden nun genauer angeschaut, das Team und natürlich auch das Business Model. Alles sollte Hand und Fuss haben. Ein Startup bleibt ein Business. Und ein Business muss Geld verdienen und kann sich nicht auf der Hilfe von Investoren ausruhen. Klar, ist es ein verlockender Lifestyle im Vergleich zu klassischen Unternehmen. Aber jeder Gründer muss verstehen, dass er eine Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern, Nutzern/Kunden und seinen Investoren hat.

O: Abgesehen von der Realisierung des Produktes, was sind deine unvergesslichen Momente?

J: Das klingt ein wenig Klischeehaft, aber beispielsweise bei 6Wunderkinder haben sich schon viele Leben geändert. Nicht nur finanziell sondern auch familiär. Pärchen haben sich gefunden und sogar geheiratet. Das ist schon cool.

O: Euer neues Projekt heißt Pitch. Wie kamt ihr auf die Idee nun den Präsentationsmarkt anzugreifen und was ist dieses Mal eure große Vision?

J: Durch den Verkauf von Wunderlist an Microsoft wurden wir als Personen noch bekannter. Wir fingen selbst an in Startups zu investieren. Dadurch erhielten wir immer mehr Präsentationen von Gründern, die uns ihre Ideen pitchen wollten. Die fast ausnahmslose unschöne Gestaltung dieser Pitches machte uns sehr stutzig und wir realisierten, dass da etwas passieren muss. Wir erkannten, dass PowerPoint und Keynote eigentlich leblose Dateien sind, deren Inhalte, um die es ja schließlich geht, total statisch sind. Wenn du beispielsweise deinem Manager, Kunden oder CEO die aktuellsten Zahlen auf den Tisch legen möchtest, sind diese zum Zeitpunkt der Präsentation ja eigentlich schon nicht mehr aktuell. Es ist eine Momentaufnahme aus vergangener Zeit. Wir leben in einem so schnelllebigen Zeitalter, da kann es nicht sein, dass wir Präsentationsprogramme für die Darstellung wichtiger Inhalte aus dem letzten Jahrtausend verwenden. PowerPoint gibt es bereits seit 1987 und hat sich den Ansprüchen unserer Generation entsprechend nicht weiterentwickelt. Da sehen wir die Chance. Wir sind die Generation Slack. Es geht um einfaches Zusammenarbeiten in Echtzeit, um geräteunabhängige Softwarelösungen und Spaß bei der Arbeit. Und PowerPoint macht nun wirklich niemandem Spaß, weder dem Verfasser noch dem Betrachter. Mit Pitch dürft ihr euch auf ein geiles Produkt freuen, das einfach ist und immer Eindruck schindet.

Jan’s Arbeitsbeispiele:

View this post on Instagram

So proud of what my team at Outbank achieved in the last months. And l'm also looking forward for all upcoming features 🙂

A post shared by JAN MARTIN (@jan_martin_) on

Get an overview with Jan

Wer bist Du?

Jan

Was machst Du?

Ich bin Gründer, Designer und Investor

Was hast Du letzte Nacht gemacht?

Gearbeitet und eine neue Netflix Serie angeschaut “Dark tourist”

Was oder wer ist unter Deinem Bett?

Teppich

Wie sieht Dein Masterplan aus?

Schwierig, denn das klingt so endgültig. 

Dein Plan B?

Brauch ich nicht.

Was ist Deine Achillesferse?

Essen.

Was verleiht Dir Flügel?

Wenn ein Plan aufgeht.

Das schönste Kompliment, dass Du je bekommen hast?

Du hast aber grosse Waden.

Deine Persönlichkeit in einem Drink?

Smokey Salty Sour

Ein Tisch – eine Flasche Wein: Wen lädst Du in die Runde ein & warum? (3 Personen / alles ist möglich, fiktiv, tot oder lebendig):

Nur eine Flasche? Ich brauche eine für jeden.

Steve Jobs, Homer Simpson, Che Guevara

Dein erster Gedanke bei folgenden Wörtern:

Erfolg: Firma

Urlaub: mach ich zu selten

Essen: mach ich zu oft

Sex: Mmmhhh… Gott

Instagram: Ist für mich wie Zeitungslesen

Early bird oder Nachtigall? Irgendwas dazwischen

Wie wäre der Mensch, der das komplette Gegenteil von Dir ist?

Niemand mit dem ich mich gerne treffen wollen würde. Er wäre erzkonservativ, nicht weltoffen, nicht humorvoll, nicht emphatisch. Ein furchtbarer Mensch.

Wenn Du eine Stadt wärst , welche und warum?

Berlin.

Dein persönliches Motto oder Dein persönlicher Motivationsspruch:

Akzeptier dich so wie du bist. Erst dann bist du frei.

© 2020 Overview Magazine

Editor's Choice

Weitere Artikel