Mit dem Besuch der Seite stimmst du unserer Datenschutzerklärung und der Nutzung von Cookies zu. OK
Interviews

Diese Gründerin hat es in sich: Janine Knizia von Muse & Heroine

von Jen
Muse & Heroine Gründerin Janine Knizia im Clean Beauty Interview

Janine Knizia: “Clean Beauty muss sexy sein.”

Wer mich kennt weiß, dass ich ein richtiger Fashion- und Beauty-Fan bin. Um so mehr habe ich mich gefreut, als vergangenes Jahr eine Pressemitteilung über den Launch einer neuen Clean Beauty Plattform in meinem E-Mail-Postfach aufblinkte. Janine Knizia war die Gründerin – eine inspirierende, energische Frau, die sich einen besonderen Wunsch mit Muse & Heroine und dem dazugehörigen Magazin Live Like a Heroine erfüllen wollte. Dem Wunsch von einer gesunden, cleanen Beauty-Welt und einem eigenen Magazin. 

Ich durfte ein langes, privates Telefon-Interview mit Janine führen und möchte euch jetzt mehr über die Clean Beauty Fee und ihre Onlineplattform Muse & Heroine verraten. 

Muse & Heroine Gründerin Janine Knizia im Clean Beauty Interview

Overview: Janine, du wohnst mittlerweile in Italien, wie bist du dahin gekommen?

Janine Knizia: Ich bin eigentlich ein totales Ruhrpottkind und erst mit 19 Jahren weggezogen. Nach meinem Fashion- und Designmanagement Studium habe ich damals in der Schweiz und in Paris gearbeitet. Dann ging es wieder nach Düsseldorf zurück und von dort aus nach Italien, wo mich die Liebe hingelockt hat. 

Für welche Fashionbrands hast du gearbeitet?

Janine Knizia: Angefangen habe ich bei Philipp Plein im Vertrieb. Ich liebe den Vertrieb und würde mich durch und durch als Vertriebler bezeichnen. 2013 habe ich dann Brand & Sales für Brama gemacht, das ist eine italienische Firma, die amerikanische Brands nach Europa einführt. 

Wolltest du schon immer in den Vertrieb oder wie hat sich das entwickelt?

Janine Knizia: Eigentlich wollte ich schon immer Journalistin werden. Ich habe sogar ein Praktikum beim Condé Nast Verlag in Paris während meines Studiums gemacht. Allerdings habe ich nicht Journalismus, sondern Fashion- und Designmanagement studiert. Und dann hat es sich in der Schweiz irgendwie ergeben, dass ich zum Vertrieb gegangen bin. Da habe ich gemerkt, wie sehr mir der Vertrieb Spaß macht und bin in diesem Bereich geblieben – bis heute. 

Du hast eine Ausbildung als Holistic Health Coach gemacht, wie kam das? 

Janine Knizia: Durch meinen Job in der Fashion Branche saß ich so oft in Flugzeugen und an Flughäfen, bin von einer Fashion Week zur nächsten gereist und hatte gar kein Privatleben mehr. Nach 14 Jahren mit diesem Lifestyle wurde mein Körper sehr anfällig, ich war permanent krank und mein Körper war müde- ich war müde. Eine innere Stimme sagte mir, dass ich unmöglich weitere 15 Jahre so leben könnte. 

Ich habe mich schon seitdem ich klein bin für Beauty, Naturkosmetik, Holistic und Gesundheitsthemen interessiert, habe viel dazu gelesen und bin dann auf das Studium in New York gestoßen. So habe ich mich dafür entschlossen 2016 ein Fernstudium in New York am Institute for Integrative Nutrition als Holistic Health Coach zu machen und das hat im Grunde alles verändert. In Europa haben wir solch ein Studium nicht, hier heißt es nur Ernährungsberater und das war nicht das, was ich machen wollte. Ich wollte holistisch mit dem physischen und psychischen zusammenarbeiten. Mir wurde schon während des Studiums klar, dass ich zukünftig etwas in der Richtung machen möchte, obwohl ich schon über 30 Jahre alt war. Zwar lagen all meine Kontakte in der Fashion-Branche und ich musste von null anfangen, aber es hat sich gelohnt. 

Was war Bestandteil des Studiums?

Janine Knizia: Im Grunde genommen besteht das Studium einerseits aus Grundkenntnissen über die Ernährung. Beispielsweise: Wie kann man welche Krankheiten bekämpfen oder Welche Präbiotika gibt es. Andererseits und viel wichtiger ist bei diesem Studium, dass ganz viele Krankheiten psychischer Natur sind und denen lernt man auf den Grund zu gehen. Und das kann man nur, wenn man mit den Menschen spricht und sich mit ihnen ganzheitlich beschäftigt. Die Krankheiten, die man in sich trägt, sind auf etwas Psychischem gewachsen oder auf Fehlern, die wir in der Vergangenheit gemacht haben. 

Ein gutes Beispiel ist das Thema Rauchen. Wenn du sagst, du möchtest aufhören zu rauchen, dann ist es wichtig in die Tiefe zu gehen und herauszufinden, warum du diese Zigarette überhaupt brauchst? Ist es der Stress oder die Abhängigkeit? Genauso balancieren viele ihre Probleme mit Essen aus. 

Wie kam die Idee für Muse & Heroine?

Janine Knizia: Mir war klar, dass ich kein Coaching oder Consulting nach dem Studium machen möchte, sondern zurück in meinen Beruf gehen werde, in den Vertrieb. Ich wollte es allerdings mit meinem neuerlernten Wissen kombinieren und gesünder leben. 

Die Idee war eigentlich unglaublich simpel. Ich bin gestartet mit der Agentur und dadurch, dass ich aus dem Vertrieb komme, habe ich mich gefragt, warum es keinen Showroom gibt, der sich auf Clean Beauty spezialisiert? 

Ich bin von einer Fashion Week zur anderen geflogen – Paris, New York, London und obwohl es tausende normale Showrooms gab, gab es keinen einzigen Showroom für Clean Beauty, wo Kunden hinkonnten, Produkte testen und anfassen konnten. 

Grade in der Beauty Branche ist es so wichtig, dass auch dort die Einkäufer inspiriert werden, denn es geht um Storytelling. Ich habe also das System der Fashion Week kopiert und in die Beauty-Branche eingesetzt. Und so habe ich 2018 den ersten europäischen Clean Beauty Showroom in Paris gegründet, dann noch einen zweiten in Mailand. So war ich an den Fashion Week Hotspots vertreten und während jeder Fashion Week sind die Showrooms für Einkäufer aus aller Welt geöffnet.

Hattest du da einen Businessplan geschrieben? 

Janine Knizia: Natürlich. Ich hatte dafür ganz lange Planzeit, also für den Businessplan und die Recherche. Ich bin sogar für einen Monat nach Los Angeles gegangen, weil ich für meinen Job hauptsächlich zwischen L.A., New York und Europa gependelt bin und mir klar war, dass ich für das Thema Clean Beauty Kunden aus L.A. mit reinnehmen muss. 

Clean Beauty ist in L.A. gestartet und die Community, die es dort gibt, haben wir in Europa noch nicht – alleine das coole Packaging und der tolle Spirit dort.  

Ich bin also für einen Monat nach L.A., habe mir alle Labels rausgesucht, war jeden Tag von morgens bis abends in Meetings, habe die Verträge ausgearbeitet, unterschrieben und bin zurück nach Europa. Zwei Monate später habe ich die ersten Kunden empfangen. 

Du hast Muse & Heroine als Agentur gegründet und hast dich zusätzlich noch online aufgestellt? 

Janine Knizia: Genau, die Agentur nennt sich Muse & Agency und die Onlineplattform mit eigenem Magazin nennt sich Muse & Heroine. Die Agentur unterstützt Marken im Aufbau – vom Packaging bis hin zu Handelsstrategien für ganz Europa. Die Onlineplattform Muse & Heroine dient als Onlineshop und erfüllt mir meinen Traum vom Journalismus mit dem eigenem Clean Beauty Magazin Live Like a Heroine.  

Berätst du nur Clean Beauty Unternehmen oder auch andere?

Janine Knizia: Nein, nicht nur Clean Beauty. Auf unserer Clean Beauty Plattform werden allerdings nur Clean Beauty Produkte verkauft. Für diese Brands mache ich das Consulting, also die Distribution, den Vertrieb. Hier habe ich exklusive Rechte mit den Marken abgeschlossen und bin somit auch die einzige, die sie Europaweit vertreiben darf.

Und meine Showrooms sind das ganze Jahr geöffnet. Und zu dem arbeiten wir noch mit weitere Marken zusammen, wie NET-A-PORTER oder Le Bon Marché.

Wie kommt es, dass du so schnell Erfolg hattest?

Janine Knizia: Ich habe ein gutes Trendgespür, das hatte ich schon immer. Wenn ich die Brands und ihre Verpackung sehe, mit den Gründern spreche, habe ich gleich einen Vision und einen Businessplan im Kopf. Ich muss dazusagen, dass ich drei Monate lang von morgens bis abends alle Einkäufer angerufen, E-Mails und Einladungen geschrieben habe. Ich hatte keine Kontakte und kannte auch niemanden, der mir Kontakte geben konnte, weil alle aus der Fashion Branche kamen, also musste ich mich durchtelefonieren.

Dazu kommt, dass ich nicht wirklich viel Konkurrenten hatte, es gab ja keine Beauty-Showrooms, dadurch hat das relativ schnell die Runde gemacht.  2018 war der Trend zu Clean Beuaty am Entstehen, so war für mich klar: Jetzt oder nie. 

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

 Janine Knizia: Momentan ist es ein täglicher Kampf, ich kann gar nichts planen, weil jeder Tag anders aussieht. Jeden Abend, wenn ich meine To-Do Liste abgearbeitet habe, bin ich total happy und denke mir, ich kann am nächsten Tag entspannen, aber dadurch, dass ich so viele Labels aus den USA, Australien, Kanada und Japan habe, stauen sich über Nacht 50 bis 60 neue E-Mails an. Am nächsten Morgen kann ich also direkt wieder loslegen. 

Durch Corona bin ich aktuell viel im Homeoffice. Vor Corona bin ich zwei Wochen im Monat gereist, habe meine Stores besucht, Events veranstaltet, hatte Meetings mit den Einkäufern. Normalerweise besuche ich die Firmen, Labore und Farmen, es ist also ein 360 Grad Einblick in alles – es wird also nie langweilig. 

Wie können sich Clean Beauty Marken heute noch ein Alleinstellungsmerkmal erarbeiten, um neben anderen Marken herauszustechen?

 Janine Knizia: Ganz wichtig und was viele unterschätzen, ist das Packaging. Viele wissen gar nicht, was man damit bewirken kann und dadurch, dass ich aus der Fashion-Branche komme, bin ich sehr affin für Trends und habe ein Gespür für Ästhetik. Das war eventuell mein großer Vorteil beim Aufbau der Labels. Wir haben viele Labels im hochpreisigen Segment, dementsprechend muss ich es mir in dem und dem Store vorstellen können.

Die ganze Brand-Kommunikation ist wahnsinnig wichtig. Angefangen vom Instagram-Auftritt, den viele unterschätzen, bis zu Dingen wie dem Brandbook, Line Sheets, Pressbook, Trainingsbook, also das Brand-Material, womit man eine neue Brand aufbaut ist sehr wichtig. 

Da sollte man in gute Grafikdesigner investieren und alles unglaublich schön gestalten. Man hat nur eine Chance. Der erste Eindruck zählt.

Das Magazin Like A Heroine von Clean Beauty Expertin Janine Knizia
Das Magazin Live Like a Heroine von Gründerin Janine Knizia

Was ist das A und O beim Verwirklichen seiner Ideen?

 Janine Knizia: Es ist eine große Achterbahn, ein up and down, aber du solltest dich jeden Tag aufs Neue motivieren und dich niemals aufgeben. Ich hatte auch viele downs und dachte, ich schaffe es nicht, aber du musst dranbleiben, hart arbeiten und immer mehr geben, als das Mindeste. Bei der Selbstständigkeit musst du nicht 100%, sondern 1000% geben.

Wie würdest du dich in drei Sätzen beschreiben und wie würden dich deine Freunde beschreiben?

Janine Knizia: Ich würde sagen, kämpferisch und willensstark, organisiert und auf jeden Fall voller Energie. Ich bin jemand, der morgens um 5.30 Uhr aus dem Bett springt, Sport macht und nicht viel Schlaf braucht. Das ist für die Selbstständigkeit von Vorteil.

Meine Freunde würden mich als humorvoll beschreiben, denn ich lache viel über mich selbst und nehme mich nicht so ernst. Ich glaube, das ist der Ruhrpotthumor, der mir in die Wiege gelegt wurde. Dann, dass ich leider nicht so viel Zeit habe und man mich nicht so häufig sieht, weil ich zu beschäftigt bin. Dadurch leiden Freundschaften. Sowas muss man planen, spontane Treffen sind für mich nicht möglich. Dass ich sehr kreativ bin und dass man mich immer nach Rat fragen kann, ich liefere gerne gute Ideen.  

Gibt es einen Satz, der dich bis heute motiviert oder demotiviert?

Janine Knizia: Als ich meinen allerersten Job angefangen habe, hat mir ein Vorgesetzter gesagt, dass ich ein Rohdiamant bin, der noch geschliffen werden müsse, aber aus dem dann etwas ganz Fantastisches werden könnte. Das hat mich so motiviert, dass ich an mich geglaubt habe. Der Satz hat mir so viel Selbstvertrauen gegeben, weil da jemand etwas in mir gesehen hat und mir eigentlich eine Zukunft vorhergesagt hat. Stell dir mal vor, er hätte gesagt, dass ich da nicht richtig bin und lieber in den Marketing-Bereich soll. Das passiert so vielen. Ich glaube, dass in jedem von uns ein Talent steckt und manche entdecken das schneller und andere später. Bei mir war es Glück, dass ich meine Liebe zum Vertrieb so früh entdeckt habe.

© 2021 Overview Magazine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Editor's Choice

Weitere Artikel