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Interviews

Die norwegische Sängerin Sigrid im Interview

von Jen
Sängerin Sigrid im Musik und Frieden beim Interview

„Don’t Kill My Vibe“

Bereits mit 16 Jahren durfte Sigrid als Background-Sängerin ihren Bruder Tellef, der auch Musiker ist, unterstützen. Kurz danach bat er ihr an, sein Opening Act zu werden. Die Vorraussetzung dafür war, dass sie eigene Songs schreibt. Gesagt, getan. Ihr erster Auftritt als Opening Act war ein voller Erfolg. Schon nach kurzer Zeit rissen sich die Plattenfirmen um sie. Universal Music machte letztendlich das Rennen. Mit ihrer ersten Single „Don’t Kill My Vibe“ trat Sigrid nun auch in Deutschland im Berliner Musik und Frieden auf. Und wir waren dabei.

Sympathisch, aufgeweckt und lustig

Am 10. November 2017 war es so weit, wir durften ein lustiges und nettes Interview mit der jungen norwegischen Sängerin Sigrid führen. Sigrid ist gerade einmal 20 Jahre alt, das sieht man. Im Interview wirkte sie allerdings um einiges älter. Sie war selbstbewusst, sympathisch und sehr lustig, kein schüchterner Teenager. Sie freut sich auf Tour zu sein und ihre Leidenschaft fürs Singen ausleben zu können. Ungeschminkt, lässig gekleidet und mit einem breiten Lächeln kam auf uns zu. Sigrid nahm sich Zeit und beantwortete alle Fragen freudig und aufgeschlossen. Das anschließende Konzert überzeugte uns dann umso mehr. Eine Stimme mit Wow-Effekt mit einer tollen Performance. Hier könnt ihr euch ihr neuste Video “Strangers“ anschauen.

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Sängerin Sigrid im Musik und Frieden beim Interview

© Ricarda Schueller

Wie hat Deine Karriere begonnen?

Ganz einfach. Das erste Mal stand ich auf einer Theaterbühne. Mit 6 Jahren habe ich eine Hauptrolle in einem weihnachtlichen Stück bekommen und ich war so nervös. Ich war ein sehr schüchterenes Kind, aber ich bin auf die Bühne gegangen und es war wundervoll. Ich liebte es! Irgendwie konnte ich mich selbst besser ausdrücken, indem ich einfach einen fremden Charakter gespielt habe.

Ist das Dein Trick auf der Bühne? Dir vorzustellen einen anderen Charakter zu spielen?

Nein. Fremde Charaktere zu spielen half mir zu verstehen, dass es okay ist ich zu sein! Ich habe gelernt mich selbst zu respektieren und zu lieben. Ich hatte als Kind etwas Angst, neue Sachen auszuprobieren. Beispielsweise neues, unbekanntes Essen zu probieren. Natürlich werde ich auch heute noch nervös, aber meistens finde ich es einfach nur cool oben auf der Bühne zu stehen. Es macht mir auch nichts aus, mal die falschen Töne zu treffen. Ich weiß, dass man auch über Fehler lachen und sich entschuldigen kann.

Wer oder was inspiriert Dich?

Die größte Inspiration gibt mir meine Familie, aber auch große Musiker wie Joni Mitchell, Adele, Neil Young oder Coldplay. Auch inspiriert mich sehr die Natur – draußen zu sein, die Luft einzuatmen und einfach der Natur zuzuhören ist wunderbar.

Hast Du einen besonderen Ort in Berlin, der Dir gefällt? Warst Du schon mal aus?

Ich war ehrlich gesagt gar nicht so oft draußen. Ich habe einmal probiert ins Berghain zu gehen. Bin aber leider nicht reingekommen. Ich und mein Bruder Tellef sind nach einem Konzert von ihm ins Berghain gegangen mit einer Gitarre im Gepäck – vielleicht hat es deshalb nicht geklappt. Was soll’s, vielleicht waren wir nicht cool genug. Und in der Twinpigs Bar war ich auch mit einem Freund aus meiner Heimatstadt, der jetzt hier in Berlin wohnt.

Was hast Du letzte Nacht gemacht?

Da war die Premiere meiner neuen Single „Strangers“ bei Radio 1. Dazu zählten einige Fotoshootings und ein paar Interviews.

Was ist unter Deinem Bett?

Mehr Bett. Ehrlich gesagt habe ich meine Wäsche unter meinem Bett. Ich liebe logistisch durchdachte Möbel, wie die von Ikea. Mein Zimmer ist wirklich klein und da muss alles durchdacht verstaut werden.

Das Komischste in Deiner Handtasche?

Ein Erkältungsspray, das ich von meiner Mutter bekommen habe. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mal was das genau ist. Ich möchte keine Erkältung bekommen, denn wenn ich krank bin, muss ich Auftritte absagen. Ein Nasenspray befindet sich auch immer in meiner Tasche. Von einem Unternehmen aus meiner Heimatstadt. Das Nasenspray wird gerade noch an Probanden getestet und ich mache da gerne mit. Ich glaube diese Sachen helfen. Bis jetzt hatte ich lange keine Erkältung mehr.

Hast Du einen Backup-Plan?

Ich hatte nie daran gedacht Sängerin zu werden. Eigentlich wollte ich immer Lehrerin werden. Oberschullehrerin für Politik, Geschichte oder Englisch. Das wäre cool. Auch habe ich darüber nachgedacht Jura zu studieren. Anwältin zu werden und mich für Menschenrechte einzusetzen. Also wenn das mit dem Singen nicht richtig klappt, werde ich vielleicht Geschichte oder internationale Beziehungen studieren oder Anwältin oder Lehrerin werden. Aber auch wenn ich jetzt weiß, dass Musik ein Traum von mir ist, wäre es trotzdem cool überhaupt etwas zu studieren. Auch andere Künstler können mal für zwei Jahre eine Pause machen. Vielleicht werde ich das auch mal machen. Ich studiere in dieser Zeit Geografie und komme zurück mit einem coolen Album, wo ich über Vulkane singen.

Was ist Deine Achillesferse?

Schokolade! Auch muss ich oft weinen, wenn ich etwas Schönes in der Natur sehe. Ich werde schnell emotional.

Das schönste Kompliment, das Du je bekommen hast?

Ein guter Freund von mir, der Journalist in meiner Heimatstadt ist, schrieb mir vor einigen Monate eine süße Nachricht. Bitte bleib so offenherzig, wie du bist. Du gibst so viel Wärme und Energie und hast ein sehr gütiges Herz. Das war eines der schönsten Komplimente. Ich probiere immer offen zu sein und mich nicht zu verstecken. Wie beispielsweise in diesem Interview. Ich möchte nicht vorgeben jemand anderes zu sein. Manchmal ist das etwas Gutes und manchmal auch etwas Schlechtes. In dieser Branche passiert es oft, dass Menschen sich anpassen und verstellen. Das ist so verrückt.

Deine Persönlichkeit in einem Drink?

Ich kenne nicht viele Drinks, aber wenn ich einen bestelle, dann einen Gin Tonic. Das ist einfach der beste Drink. Er ist immer gut. Vielleicht einfach, weil ich Gin und Tonic mag.

Ein Tisch – eine Flasche Schnaps: Wen lädst Du in die Runde ein & warum? (3 Personen / alles ist möglich, fiktiv, tot oder lebendig)

Definitiv Tayler Swifts Katzen, weil ich schon so viel über sie gehört habe und sie gerne treffen würde.  Auch wäre es wunderbar an einem Tisch mit Joni Mitchel und Leonard Cohen zu sitzen. Beide sind sehr inspirierend.

Was hältst Du von Instagram?

Ist ambivalent, ein Relationship-Tool. Ich mag Instagram, weil es eine tolle Art ist, um zu kommunizieren. Aber man bekommt auch nur ein kleines Stückchen vom Leben der anderen mit. Und es kann auch sehr ungesund sein. Es sind überall lediglich nur Lebensausschnitte, die man postet und die man von anderen sieht. Das ist alles so realitätsfern. Genau das ist manchmal sehr beängstigend. Instagram kann man eigentlich gut mit einer Droge vergleichen, wir sind abhängig davon.

Was wäre Deine Alternative?

Lass uns einfach irgendwo hingehen und einen Kaffee trinken. Aber das Ding mit den sozialen Medien ist, sie sind einfach so praktisch und einfach. Ich bin sehr viel unterwegs, wie gerade auf Tour und so kann ich leicht den Kontakt mit meinen Freunden und meiner Familie halten. Ich facetime sehr viel. Das ist mein Safer. In dieser Hinsicht finde ich diese Plattformen sehr gut und praktisch.

Early bird oder Nachtigall?

Nichts von beiden. Ich würde sagen, ich liebe schlafen. Ich liebe es früh ins Bett zu gehen und mag es spät aufzustehen. Also einfach so viel wie möglich zu schlafen. Es passiert gerade so viel im meinem Leben, da brauche ich viel Schlaf.

Wie wäre der Mensch, der das komplette Gegenteil von Dir ist?

 Schüchtern

Wenn Du eine Stadt wärst, welche und warum?

Vielleicht Reykjavik. Das ist eine sehr gut entwickelte Stadt, die sehr naturverbunden ist und das bin ich auch. Und die haben viel Kultur. Viele Bars und Konzerte.

Was ist Deine größte Angst?

Freunde und Familie zu verlieren.

Dieses Interview wurde auf englisch geführt, aufgezeichnet und ins Deutsche von Jeniffer Gontovos übersetzt.

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