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Interviews

Künstler und Designer Darwin Stapel im Interview

von Jen
Ein Bild des Designers und Künstlers Darwin Stapel

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Willkommen im 21. Jahrhundert

Mit 25 Jahren ist Darwin Stapel Fotograf, Grafikdesigner, Illustrator, Künstler, Tänzer und Choreograph. Wie er das alles unter einen Hut bekommt? Ganz einfach: Mit einer großen Portion Fleiß, Kraft und einem guten Zeitmanagement. Wir haben den multidisziplinären Künstler und Designer zu einem persönlichen Interview getroffen und sind immer noch begeistert von seiner Entschlossenheit, seinem Mut und seiner unendlich großen Freude am Leben. Was natürlich auch nicht fehlen darf: ein gutes Netzwerk! Freut euch auf ein spannendes Interview mit persönlichen Tipps von Darwin.

Der Designer und Künstler Darwin Stapel im Interview mit Redakteurin Jeniffer Gontovos.
© Tim Schemmink für Overview Magazine

Get an Overview with Darwin Stapel

Overview Mag: Wer bist du?

Darwin Stapel: Ich bin Darwin Stapel, 25 Jahre alt und arbeite als multidisziplinärer Künstler und Designer. Ich bediene die Medien Fotografie, Grafikdesign, Illustration und bin neben Kunst und Design auch Tänzer und Choreograph.

O: Das ist ja ganz schön viel. Wie hat das bei dir begonnen?

Darwin Stapel: Das Tanzen mache ich, seitdem ich zehn bin. Mittlerweile also schon seit 15 Jahren. Das begleitet mich schon immer ziemlich aktiv, auch schon neben der Schule. Ich habe auch früh angefangen zu unterrichten, habe viele Meisterschaften getanzt, ein bisschen Fernseherfahrung gesammelt und im Background getanzt.

Nach der Schule bin ich nach London gezogen, wo ich ein Jahr Grafikdesign an der University of the Arts studiert habe. Ich habe auch eigentlich in Erwägung gezogen dort zu bleiben, aber ich wurde in Berlin für den Studiengang Kommunikationsdesign an der HTW angenommen. Meine Tutorin in London hat mir wärmstens ans Herz gelegt nach Berlin zu ziehen. „Du hast so einen starken Kopf, du machst eh was du willst und dafür musst du nicht so viel Geld für die Studiengebühren hier ausgeben“, ermutigte sie mich. Somit ging es nach Berlin, wo ich vier Jahre Kommunikationsdesign studiert habe.

O: Wie hat es dir hier in Berlin gefallen?

Darwin Stapel: Berlin ist nach wie vor eigentlich eine meiner Traumstädte. Ich reise natürlich auch sehr gerne, um verschiedene Kulturen kennenzulernen, neue Eindrücke zu sammeln und Inspiration zu bekommen, aber Berlin ist einfach unschlagbar! Man muss tatsächlich nicht viel Geld ausgeben, um hier ein erfülltes Leben führen zu können. Außerdem macht Berlin auf jeden Fall eine ziemlich diverse Subkultur aus, die für mich besonders im Musikbereich interessant ist.

O: Wie bist du genau zum Tanz gekommen?

Darwin Stapel:Da war mal ein Aushang in der Schule. Ich hab bei einer Hip Hop-Stunde vorbeigeschaut und wusste sofort, dass das auf jeden Fall mein Ding ist.

O: Welche Tanzrichtung macht dir besonders Spaß?

Darwin Stapel: In den letzten 15 Jahren habe ich schon ziemlich viel gelernt und Verschiedenes ausprobiert. Momentan tanze ich gerne auf High Heels. Außerdem sind meine Favoriten das Voguing und Contemporary Dance.

Künstler und Designer Darwin Stapel beim Tanzen in High Heels.
© Paul Huettemann

Darwin Stapel auf High Heels

O: Du bist auch selbst Choreograph. Was für Choreographien machst du?

Darwin Stapel:Das letzte und vorletzte Jahr über habe ich für Musikvideos choreografiert, unter anderem für die Bands Confidence Man und The Jungle Giants aus Australien. Mit Confidence Man habe ich beispielsweise direkt geprobt und sie für den Dreh vorbereitet. Keiner von ihnen ist hauptsächlich Tänzer. Die können sich jedoch super bewegen und haben das top hingekriegt. Ein weiteres Herzensprojekt mit zwei professionellen Tänzer*innen entstand beim Musikvideodreh zu „Used to Be in Love“ von The Jungle Giants. Da hatten wir im gemeinsamen Kreationsprozess noch viel mehr Möglichkeiten. Die sich distanzierenden Liebenden vertanzen in kurzen Performance-Stücken ihre Abhängigkeitsverhältnisse, Ungleichgewichte und sonstige innewohnende Dynamiken. Das Konzept dafür ist vom Regisseur-Duo Schall & Schnabel.

The Jungle Giants mit Used to Be in Love

O: Du bist auch Illustrator und hast deine Onelineillustration als Technik entwickelt. Wie bist du da hingekommen?

Darwin Stapel: Ich habe vor ein paar Jahren an einer Illustrationsreihe bzw. einem Buchprojekt gearbeitet: ein Editorial bestehend aus Illustration und Typographie. Meine Recherche sieht meist so aus: Ich arbeite eigentlich konstant in einem Skizzenbuch und sauge alles auf was mich umgibt. Ich gehe in Ausstellungen, mache Fotos und alles wird in meinem Skizzenbuch aufgehoben. Natürlich zeichne ich auch willkürliche Dinge, die mir in den Kopf kommen oder schreibe Sachen auf. Es ist sehr experimentell und so entwickelt sich auch oft ein neuer Stil. Wie auch in diesem Fall. Bei diesem Buchprojekt wollte ich erst naturalistisch arbeiten. Ich bin schnell an Grenzen gestoßen, alles hat irgendwie lange gedauert und ich war nie zufrieden mit den Proportionen und dem Ergebnis. So folgte eine intuitive, radikale Entscheidung: „Ich gucke einfach gar nicht mehr hin!“ Und so habe ich angefangen meine Umgebung und Menschen ohne hinzuschauen mit fortlaufendem Strich zu zeichnen. Das mache ich jetzt seit fünf Jahren.

O: Was sagst du zu dem Satz: „Als Künstler kann man kein Geld verdienen.“ Wie war es bei dir zu Hause?

Darwin Stapel: Meine Familie hat nie an dem gezweifelt, was ich mache. Im Gegenteil; sie haben mich immer sehr unterstützt. Ich unterscheide zwischen Kunst und Design. Wenn ich einen Designauftrag ausführe und trotzdem meine Illustrationen dabei einfließen lasse, dann ist es definitiv eine Dienstleistung. Jemand möchte etwas von mir und ich wende es so an, dass es einen kommerziellen Charakter bekommt und dann ist es definitiv Arbeit. Bei Kunst denke ich erstmal nicht daran, wie ich damit Geld verdiene.

O: Du hast eine gute Symbiose geschaffen. Du kannst künstlerisch aktiv sein, aber auch als Designer deine Kunst verkaufen und einsetzen.

Darwin Stapel:Ja ganz genau, das kam gerade auch im Oktober 2018 gut zum Einsatz. Ich habe für Bombay Sapphire und die Canvas Bar in Berlin das Corporate Design gemacht und die Kampagne eigenständig als Grafikdesigner betreut. Dort konnte ich meine Illustrationen als Teil dieser surrealen Welt einfließen lassen. Bei der Canvas Bar Veranstaltung selbst konnte ich aber auch vor Ort als Künstler auftreten und die Gäste porträtieren.

Eine Onelineillustration des Künstlers Darwin Stapel für die Bombay Sapphire Canvas Bar 2018
© Darwin Stapel für die Bombay Sapphire Canvas Bar 2018
Bombay Sapphire Canvas Bar 2018 Corporate Design von Darwin Stapel

O: Wie war das mit Bombay Sapphire zusammenzuarbeiten? Hat man da noch die künstlerische Freiheit oder gibt es klare Richtlinien?

Darwin Stapel: Wenn man mit großen Marken arbeitet, gibt es natürlich ein bestehendes Corporate Design und eine Corporate Identity. Die muss definitiv beachtet werden von einem Designer. Aber wenn man ein bisschen Glück hat, darf man sich weiterhin kreativ ausleben, was definitiv der Fall war bei Bombay Sapphire. Sie haben mir großen Spielraum gelassen und waren immer ziemlich zufrieden mit meinen Designs. Natürlich wurde auch Kritik geäußert, aber nicht so, dass ich mich eingeengt gefühlt habe. Selbst wenn das der Fall gewesen wäre, muss man damit umgehen können. Oftmals haben Kunden klare Vorstellungen. Vielleicht buchen sie dann eben genau dich, weil sie wissen wie dein Stil aussieht und was sie erwartet.

Das Corporate Design für Bombay Sapphire für die Canvas Bar 2018 von Darwin Stapel.
Das Corporate Design für Bombay Sapphire / Canvas Bar 2018 von Darwin Stapel
Das Corporate Design für Bombay Sapphire für die Canvas Bar 2018 von Darwin Stapel.
Das Corporate Design für Bombay Sapphire / Canvas Bar 2018 von Darwin Stapel

O: Wie holst du dir deine Inspirationen? Was inspiriert dich?

Darwin Stapel: Am vorangegangen Beispiel gingen bei Bombay Sapphire die Verhandlungen im September los. Zur Vorbereitung und Einreichung meines Designs für den Pitch, flog ich erst mal nach Istanbul. Ich hatte in Istanbul ein Erasmus Austauschjahr gemacht und kenne die Stadt sehr gut. Da ich mit Patterns arbeiten – also eine Musterwelt erschaffen – wollte, wusste ich genau, dass Istanbul auf jeden Fall eine gute Inspirationsquelle ist.

O: Hast du auf deinem Weg auch mal Selbstzweifel gehabt?

Darwin Stapel: Das passiert ehrlich gesagt ständig. Also nicht ständig im Sinne von jede Woche, aber beispielsweise wenn man vor etwas Neuem steht und nicht so genau weiß, ob das klappt oder ob man seinen Fähigkeiten vertrauen kann. Es gibt immer mal Zweifel, aber ich bin mir trotzdem sehr sicher mit dem was ich mache.

O: Du bedienst viele Bereiche. Ist das manchmal schwer für dich?

Darwin Stapel: Definitiv. Ich wache manchmal morgens auf, es sind vielleicht gerade zehn Minuten vergangen und ich habe schon zehn neue Gedanken im Kopf bezüglich gelegter Deadlines oder Auftragsarbeiten, der nächsten Tanzstunde. Das ist aber happy complaining. Ich genieße es mit meinen verschiedenen Disziplinen so flexibel zu sein. Auf der anderen Seite ist es dann manchmal doch schwierig die Dinge voneinander abzugrenzen – man hat ja nur einen Kopf. Das bekomme ich mit gutem Zeit- und Projektmanagement trotzdem immer in den Griff.

O: Hast du einen Satz der dich sehr geprägt hat?

Darwin Stapel: In London habe ich zu meinem Abschlussprojekt viel zu Alexander McQueen recherchiert. Er hat mal eine Kollektion gemacht, wo echte Blumen auf einem Kleid drapiert waren und in diesem Zusammenhang gab es den Satz „I used flowers because they die“. Ich glaube, mich interessierte es damals, den Sterbens- und Veränderungsprozess sichtbar zu machen.

Der Künstler und Designer Darwin Stapel für die Richert Beil Show.
© MBFW / Darwin Stapel für Richert Beil

O: Wie hast du es geschafft, den Sprung vom Anfänger bis zum gebuchten Designer hinzubekommen?

Darwin Stapel: Ich habe schon recht früh im Studium angefangen, vor allem fotografisch, zu arbeiten. Unter anderem für Levi’s, Vero Moda und viel Eventfotografie. Das lief ganz oft über persönliche Kontakte: Freunde, die angefangen haben in Werbeagenturen zu arbeiten. Das lief alles schon parallel zum Studium und genau so habe ich auch früh Selbstdisziplin erlernt. So konnte ich schnell für mich entdecken, wie ich das mit dem Netzwerken mache oder wie Akquise und Eigenwerbung funktioniert.

O: Was würdest du angehenden Künstlern, Grafikdesignern und Choreographen mit auf den Weg geben?

Darwin Stapel: Ich würde sagen, dass eine gesunde Art des Netzwerkens definitiv ganz wichtig ist. Man sollte konstant in einem Netzwerk mit interessanten und interessierten Leuten unterwegs sein. Und natürlich immer weiter lernen, sich nicht einfach auf seinen Fähigkeiten ausruhen, sich immer wieder neu hinterfragen und Raum geben.

O: Was bedeutet denn gut Netzwerken für dich?

Darwin Stapel: Man war, sagen wir mal, auf einer Veranstaltung und hat sich mit einigen Menschen unterhalten. Da war dann vielleicht ein Gespräch dabei, bei dem man sich danach dachte: „Das ist mir hängen geblieben, das schwingt nach“. Diesem Menschen sollte man vielleicht mal eine E-Mail schreiben, um mal einen Kaffee trinken zu gehen und sich weiter auszutauschen oder einfach um in Kontakt zu bleiben.

O: Gibt es gerade ein spannendes Projekt, das du momentan umsetzt?

Darwin Stapel: Ja, tatsächlich. Und zwar immer noch für Bombay Sapphire. „Klappe die Zweite“ würde ich das nennen. Im Rahmen der Canvas Bar hat sich noch eine weitere Zusammenarbeit ergeben. Mitte April kommt meine Limited Edition Bombay Sapphire auf den Markt. Das Packaging ist von mir. Es werden jeweils auch zwei Untersetzer dabei sein, die meine Designs tragen dürfen. Insgesamt habe ich vier Untersetzer entworfen. Die Limited Edition wird dann in Deutschland, Schweiz und Österreich vermarktet.

Bombay Sapphire Limited Edition designed von Darwin Stapel.
Darwin Stapel für Bombay Sapphire Limited Edition
Bombay Sapphire Limited Edition designed von Darwin Stapel.
Darwin Stapel für Bombay Sapphire Limited Edition
Bombay Sapphire x Darwin Stapel | Limited Edition without bottle

O: Hast du für uns ein genaues Beispiel für eine sehr spontane Anfrage?

Darwin Stapel: Ich hatte im Dezember 2018 von dem italienischen Schuhlabel Santoni eine Event-Anfrage für eine onelineillustration Portrait Live Session erhalten. Vier Tage vor Event-Start im KaDeWe kam dann eine weitere Anfrage rein. Ich sollte vorher noch eine Limited Edition onelineillustration Artworks in einer Mischtechnik gestalten. Ich hatte sehr wenig Zeit und sollte 30 Einzelexemplare kreieren. Natürlich habe ich da zugestimmt. Das waren vier lange Tage. Da muss Kreativität auf Knopfdruck funktionieren. Wenn viel zu tun ist und ich müde bin, arbeite ich teilweise sogar besser und vor allem effizienter. Ich bin meist weniger perfektionistisch und akzeptiere schneller, dass die Linie hier oder dort so schon genau richtig ist.

Darwin Stapel für Santoni Shoes; Onelineillustration;
Darwin Stapel für Santoni Shoes; Onelineillustration;
Darwin Stapel für Santoni Shoes; Onelineillustration;
Darwin Stapel beim kreieren einer Onelineillustration.
Darwin Stapel beim kreieren einer Onelineillustration © Schall und Schnabel

O: Gibt es etwas auf der Welt, was dich total nervt?

Darwin Stapel: Wir leben momentan in einem Zeitalter, da nerven ganz schön viele Dinge. Trump nervt auf jeden Fall. Was nervt noch? Bürokratie, deutsche Bürokratie nervt auch. Ich glaube es gibt Orte, wo das ein bisschen einfacher läuft.

O: Wo liegen deine Schwächen?

Darwin Stapel:Dinge ruhen zu lassen.

O: Was verleiht dir Flügel?

Darwin Stapel:Tanzen mal wieder. Da bin ich mit dem Kopf raus und habe eine ganz eigene Verbindung zu mir selbst. Beim Tanzen kann ich abschalten, mich neu entdecken, neue Rollen einnehmen, neue Facetten zeigen.

O: Was bedeutet für dich Kreativität?

Darwin Stapel:Für mich persönlich bedeutet Kreativität den Gedankenstrang, den man eigentlich konstant irgendwie mit sich führt, immer visuell umzusetzen. Das mache ich persönlich so. Ich habe immer ein Skizzenbuch dabei, mach mir Notizen. Und sonst bedeutet das für mich assoziativ zu sein mit den Erfahrungen, die man macht. Ich glaube so ergeben sich dann intersektionale Ideen.

Coverbild via © Rankin Photography

© 2019 Overview Magazine

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