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Interviews

Be Charlotte Lead-Sängerin Charlotte Brimner im Interview

von Hannah
Die Saengerin Charlotte von Be Charlotte auf dem Sessel sitzend

I am Be Charlotte

Charlotte hat sich und ihren Stil gefunden. Die 22-jährige Schottin weiß wer sie ist und hat gelernt, Kritik zur Kenntnis zu nehmen und dabei weiterhin ihrer Intuition zu trauen. So hat sie gelernt, vermeintliche Makel, wie bspw. ihren schottischen Akzent, nicht gegen eine kommerzielle amerikanische Musikstimme zu tauschen, sondern genau dieses ‚Manko‘ zu ihrem Wiedererkennungsmerkmal zu machen. Den Mut, man selbst zu sein, vor allem im Rampenlicht, hat nicht jeder. Doch genau darum geht es der Lead-Sängerin Charlotte Brimner. Authentizität ist das wofür die Band, die Lieder und sie selbst steht. So kann es eigentlich keinen besseren Namen für die Band geben, die für so viel Wahrheit und Klarheit steht und uns kleine Einblicke in das Leben der Schottin gibt, als Be Charlotte. Ich bin jedes Mal aufs Neue beeindruckt, wie tiefsinnig, reflektiert, offen und mutig, all diese jungen Künstler, wie Declan J Donovan, Chvrches, Sigrid, Lea und co., sind. Charlotte Brimner ist auch hier definitiv keine Ausnahme.

Overview: Wir kennen alle die Legende des ‚Starving Artist‘. Was hat dir ein Gefühl von Sicherheit gegeben, als du mit der Musik angefangen hast?

Charlotte Bremner: Ich war sehr zielstrebig. Ich wollte einfach immer nur Musik machen, mich damit wohlfühlen, gute Lieder schreiben und viele Live Auftritte machen. Natürlich immer in der Hoffnung genug Geld zu verdienen, um die Miete zahlen zu können. Mein Gedanke war aber nie ‚ich muss das jetzt machen, damit ich bei einem Label unter Vertrag komme‘. Ich kannte auch niemanden im Musikgeschäft. Unterstützung von außen hilft natürlich auch. Meine Mutter hat mich oft zu Auftritten gefahren, ich habe mich bei verschiedenen Organisationen in Schottland beworben, die Künstler fördern. Das war sehr hilfreich. Ich habe einfach immer nach Möglichkeiten gesucht, um das Musikmachen weiterhin zu ermöglichen.

O: Nun bist du bei Sony unter Vertrag. Wie fühlt es sich an, Musik nun seinen Beruf zu nennen?

Charlotte Bremner: Es hat auf jeden Fall einige Monate gedauert, bis ich realisiert habe, dass ich nun unter Vertrag bin. Aber ehrlich gesagt, kann ich es manchmal immer noch nicht ganz begreifen. Es ist schon auch ein eigenartiger Job, jeder Tag ist anders. Es ist jedoch sehr aufregend und spannend, sein eigener Boss zu sein, das zu machen, was einem Spaß macht. Ein Team um einen herum zu haben und viel zu reisen ist toll. Ich habe mein ganzes Leben darauf ausgerichtet Musik zu machen, weil ich es einfach liebe. Es gibt einige, die nur darauf aus sind, bei einem Label aufgenommen zu werden und heben dann ab, denken ‚my job is done now‘. Das war nie meine Intention. Ich will eigentlich einfach nur immer Musik machen wollen.

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So I'm heading off on tour next week ahhhhhh

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O: Inspiriert dich Berlin?

Charlotte Bremner: Berlin ist ein total kreativer Ort. Hier zu sein fordert mich stets heraus, lässt mich weiter wachsen und das kann durchaus inspirierend sein. Ich lerne vieles anders zu sehen und zu verstehen. Beispielsweise, wenn ich Lieder mit einem Co-Writer schreibe und meine Gedanken mitteile, dann ergibt das zwar für mich so Sinn, aber für den anderen vielleicht gar nicht oder in ganz anderer Form. So muss ich dann nach anderen Umschreibungen und Worten suchen und das ist schon ein spannender Prozess. Oder auch einfach an neuen Orten zu sein, neuen Situationen ausgesetzt zu sein und zu beobachten, inwiefern mich das beeinflusst, was diese Erfahrung mit mir macht und mein Verhalten oder mein Denken ändert. Generell fühle ich mich sehr wohl in Berlin. Hier herrscht ein toller Vibe und die Leute sind sehr nett.

O: Gibt es Lieder aus früheren Zeiten, die dir jetzt peinlich sind?

Charlotte Bremner: Oh ja, definitiv! Es gibt einige Lieder, die ich mit 13 geschrieben habe. Es ist interessant, diese noch mal durchzulesen und zu realisieren, wie man sich weiterentwickelt oder auch verändert hat. Zum Glück ist davon aber auch nichts im Internet. 🙂 Dann gibt es wiederum Lieder, die ich mit 16 geschrieben hab und immer noch mal weiter schreibe, anpasse oder aktualisiere. Das ist alles ein Prozess und hat auch etwas Therapeutisches an sich. Ich schreibe meine Lieder meist einfach nieder, Wort für Wort, wie es gerade kommt, ohne dabei auf die Grammatik zu achten. Später fügen sich die Wörter und die Melodie dann zusammen.

O: Was oder wer ist genau Be Charlotte?

Charlotte Bremner: Das bin ich, würde ich sagen. Ich hab mich als Person nicht großartig geändert, sondern eher weiterentwickelt und genauso meine Musik und Texte. Die Branche hat schon seine Schwierigkeiten und ich denke, dass ich nun weiß, wer ich bin und wie sich meine Musik anhören soll. Mir ist wichtig, dass meine Musik einfach ehrlich ist und bleibt, um auch den Zuhörern zeigen zu können, dass nicht jeder immer OK ist, dass es auch mal Tiefen gibt. Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen und aus manchen Dingen wächst man heraus, aus anderen wiederum nicht. Wie beispielsweise seiner Hautfarbe oder wie bei mir, meinem Akzent. Das sind Dinge, die können wir nicht ändern und sollten es auch nicht, schon gar nicht weil es irgendjemand anderes sagt. Darüber habe ich auch ein Lied geschrieben, vielleicht werd ich es im nächsten Jahr veröffentlichen.

O: Wie gehst du mit Morddrohungen bei Social Media um?

Charlotte Bremner: Es ist mir unbegreiflich, was Menschen dazu bewegt, so etwas zu tun. Sogar Bekannte aus meiner Schule fingen an, schreckliche Dinge zu schreiben. Es war ziemlich schwierig am Anfang damit umzugehen und ich wollte eigentlich nie wieder etwas posten. Ich habe es dann doch getan und zum Glück ist es momentan in der Hinsicht ruhiger geworden bei mir. Es tut mir jedoch leid für all diejenigen, die mit Ähnlichem zu kämpfen haben und da ganz allein durch müssen. Ich würde mir einfach wünschen, dass diese Hassnachrichten endlich aufhören. Es führt ja auch zu nichts. Es ist traurig, dass das ein Teil des Social Media ist.

O: Was ist das schönste Gefühl bei einem Konzert?

Charlotte Bremner: Das Schönste ist, zu sehen, dass die Fans eine gute Zeit haben. Wenn sie dann noch bei den Liedern mitsingen, ist das unbeschreiblich. Man weiß ja nie, wer und ob sich jemand überhaupt deine Musik anhört. Und das dann zu sehen ist unglaublich.

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Wie datest du?

Gar nicht. Ich bin so fokussiert auf die Musik und das, was gerade kommt, dass ich niemanden kennenlerne. Vielleicht in der Branche, da trifft man einige. Freunde von mir nutzen Apps, aber das ist nicht so meins.

Hast du ein Ritual bevor du auf die Bühne gehst?

Seit dem ich den Vocal Steamer habe, benutze ich den vor jedem Auftritt, um die Stimmbänder zu lockern. Manchmal geh ich auch zum Rest der Band und wir bereiten uns gemeinsam vor oder ich höre mir noch mal etwas zur Ablenkung an.

Hast du noch Lampenfieber?

Ja, auf jeden Fall. Bei jedem Auftritt sind die Abläufe auch anders. Manchmal gibt es keine separaten Räume für Frauen, zum Umziehen oder Ähnliches. Das kann schon stressig werden und einen nervös machen.

Was ist in Deutschland anders, als zu Hause?

Die Waschmaschinen befinden sich in Deutschland im Badezimmer. Das fand ich sehr eigenartig, obwohl das total Sinn ergibt. Bei uns sind Waschmaschinen immer in der Küche.

Wo sehen wir dich in 10 Jahren?

Im Idealfall habe ich mehrere Alben veröffentlicht und eine tolle loyale Fanbase. Ich schreibe für andere tolle Künstler und helfe jungen passionierten Talenten bei ihrer Karriere.

Deine 3 Tipps für neue Talente?

  1. Hör dir die Meinungen von relevanten Menschen an, aber nimm sie nicht zu sehr zu Herzen. Mir wurde bspw. stets gesagt, ich sollte nicht in meinem schottischen Akzent singen. Aber das ist ein Teil von mir und den gebe ich nicht auf.
  2. Genieß es und habe Spaß. Sei im Moment und verfolge das, was du willst. Es wird alles zu seiner Zeit kommen.
  3. Verfang dich nicht zu sehr in den Zahlen. Views und Likes sind zwar ein Indikator, aber du solltest das, was du tust mit Leidenschaft verfolgen und die Welt an deinem Talent und deiner Musik teilhaben lassen.

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