Mit dem Besuch der Seite stimmst du unserer Datenschutzerklärung und der Nutzung von Cookies zu. OK
Highlights

„Mama, tut uns leid, dass wir so undankbar waren!“ Die Migrant Mamas – Gründerinnen Manik und Melisa über ihr Buch „Mama Superstar“

von Jen

Migrant Mamas – ein Familienprojekt, das für Furore sorgt

Manik und Melisa haben sich einen Herzenswunsch erfüllt. Sie haben das wunderbare Buch „Mama Superstar“ über elf sogenannte Migrant Mamas und ihre Töchter publiziert und sind stolz, selbst Migrant Kids zu sein. Die elf porträtierten und interviewten Mütter und Töchter erzählen ihre eigene Geschichte und lassen die Welt daran teilhaben. 

Alle porträtierten Mütter kommen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis von Manik und Melisa. Beide Powerfrauen haben nicht groß darüber nachgedacht, ob alle Frauen aus verschiedenen Ländern kommen. Das Wichtigste war, dass sich alle wohl fühlen und zusammenpassen. Eine Symbiose aus weiblicher Energie und Sympathie stand im Vordergrund.

Wir haben die beiden getroffen, um über den Entstehungsprozess ihres Buches „Mama Superstar“ und ihre Crowdfunding Kampagne zu sprechen.

Overview: Wo habt ihr beiden euch eigentlich kennengelernt?

Manik & Melisa: Wir haben uns nicht in Deutschland kennengelernt, sondern bei einem Auslandssemester in Mumbai. Das war sehr lustig, weil wir natürlich mit deutschen Austauschschülern zusammen in einer Gruppe waren, obwohl wir beide nicht „deutsch“ aussahen. Viele fanden es sehr amüsant. Wir sind uns auch sofort aufgefallen, da wir beide wegen unserer Hautfarbe aus der Gruppe rausgestochen sind.

Es war wunderbar, weil wir uns auf Anhieb gut verstanden und eine besondere Verbindung spürten. So wurden wir sehr gute Freundinnen und jetzt auch Geschäftspartnerinnen. 

Overview: Was habt ihr beide studiert?

Manik & Melisa: Ich habe in Kassel Politikwissenschaften studiert und Manik VWL in Göttingen. Wir kommen beide aus Deutschland, aber wir mussten uns wohl erst in Mumbai kennenlernen.

Das Lustigste an unserem Zusammentreffen war, dass wir beide schon relativ früh über unsere Mamas gesprochen haben.

Overview: Wie habt ihr den Traum von einem Buch über Migranten-Mamas finanziert?

Manik & Melisa: Wir haben die erste Auflage mit 5.000 Stück selbstfinanziert. Also haben wir das volle Risiko getragen und waren vollkommen überrascht, als unser Buch in nur 4 Wochen ausverkauft war. Aber viel wichtiger als das ausverkaufte Buch waren die Rückmeldungen unserer Leser. Es waren tausende Reaktionen und E-Mails von Frauen und Männern. Das war der schönste Moment in dem ganzen Entstehungsprozess. Wir haben beispielsweise Nachrichten von vielen Pädagogen erhalten, die mit Migranten-Kindern arbeiten und Schwierigkeiten dabei haben Migranten-Eltern zu verstehen. Unser Buch hat ihnen einen guten Einblick in das Verhalten der Eltern gegeben.

Overview: Welche Aussage stand für euch beim Projekt „Migrant Mamas“ und eurem Buch „Mama Superstar“ im Vordergrund?

Manik & Melisa: Wir wollten nicht über rassistische Probleme und Erfahrungen sprechen und wollten aufzeigen, wie unsere Mamas ihr Leben gemeistert haben und das Positive beleuchten. Wir waren müde davon wütend zu sein. Es sollte kein problembehafteter Ansatz hervorstechen. Auch wollten wir nicht über Integration sprechen, sondern über die Identitäten, die wir haben und gleichzeitig diese Identitäten feiern. Wir haben oft gehört: „Es ist schön, dass ihr einfach nur positiv über Migration sprecht.“ Jetzt sind wir total stolz darauf, Migranten-Kinder zu sein und genau diese Entwicklung wollten wir mitnehmen und aufzeigen.

Overview: Was waren eure größten Schwierigkeiten im Entstehungsprozess von Mama Superstar?

Manik & Melisa: Der Anfang. Wir hatten zwar eine grobe Idee und wussten, dass wir in einem Buch Geschichten erzählen möchten. Doch wir wussten noch nicht wie wir es umsetzen sollten. Es fehlte ein klares Konzept. An einem Wochenende voller Brainstorming haben wir uns dann einer detaillierten Idee genähert. Es war auch schwierig, da alle Mamas fürs Interview auf der Welt verteilt waren. Ich war zu der Zeit beispielsweise in Peru und Manik in Deutschland. Aber wir haben alles in Teamarbeit hinbekommen.

Overview: Was waren eure Lieblingskommentare?

Manik & Melisa: Das war ein ganz besonderer Kommentar auf Facebook: „Ich wusste nicht, dass ich mein Leben lang auf dieses Buch gewartet habe.“ Das war ein Gänsehautmoment. Wir beide verstehen uns nicht als Autorinnen, wir wollten eine Bewegung starten, die die Migration feiert. Das macht uns stolz und glücklich. Aktivistinnen gibt es viele und wir wollen einfach nur dankbar sein unsere Superstar-Mütter zu haben. 

Overview: Wie kam es zu der Idee, ein zweites Buch zu publizieren?

Manik & Melisa: Wir haben gemerkt, dass so viele Menschen das Bedürfnis haben uns zu schreiben und ihre Geschichten zu erzählen. Schöne Momente, schwierige Momente, vom Vater oder von der Mutter. So dachten wir uns: Wir brauchen eine Community-Ausgabe. Ein Buch, in dem wir unserer Community die Möglichkeit geben, ihre Geschichten zu erzählen. Und genau dieses Buch möchten wir nun durch unsere Crowdfunding-Kampagne finanzieren. Es soll noch größer und besser werden. Wir haben vor „100 Migrant Mamas“ zu finden und ihre Geschichten der Welt zugänglich zu machen. Dieses Projekt können wir nun nicht mehr selbst finanzieren. 

Overview: Wie haben eure „deutschen“ Freunde auf euer Buch „Mama Superstar“ reagiert?

Manik & Melisa:Wow, jetzt verstehen wir erst, warum das Bedürfnis von Migranten nach diesem Buch und nach dieser Bewegung besteht.“ Und sie verstehen jetzt, warum Migrant Mamas eigentlich Superstars sind. Es ist schön, dass unser Buch nicht nur für Migranten oder Menschen mit Migrationshintergrund bedeutsam ist, sondern auch eine Bereicherung für Menschen, die komplett nichts mit Migration zu tun haben

Overview: Habt ihr bestimmte Parallelen zwischen den verschiedenen Migrant Mamas bemerkt?

Manik & Melisa: Definitiv. Wir haben jede Tochter interviewt, die im Vorhinein ihre Mutter zu Hause interviewt hat. Hier haben wir schnell bemerkt, dass diese Migrationsgeschichte im Kern immer sehr ähnlich aussieht. Wir haben sogar eine Mutter, die aus Deutschland in die Niederlande immigriert ist. Und selbst hier gibt es Gemeinsamkeiten. Es ist das Bedürfnis von Müttern für ihre Kinder das Beste zu wollen, aber dabei das Gefühl zu haben, als Migrantin immer zu versagen. Und das, weil man die sozialen Codes nicht versteht. Hier passt ein Beispiel meiner Mutter sehr gut.

Ich und meine Schwester kamen weinend aus dem Kindergarten zurück und fragten unsere Mutter, warum der Nikolaus nicht bei uns zu Hause war. Die anderen Kinder im Kindergarten haben uns erzählt, dass der Nikolaus nur zu guten Kindern kommt und wir beide wohl böse waren. Meine Mutter hat das natürlich nicht verstanden und probierte uns zu trösten. Am nächsten Tag ist sie in den Kindergarten gegangen und hat die Erzieherin gefragt, wo sie denn diesen Herren Nikolaus bestellen kann.

Das sind Geschichten, die unseren Müttern in Erinnerung bleiben. Vor allem, weil sie das Gefühl hatten, dass ihr Kind traurig war, weil sie versagt haben in der Decodierung der sozialen Codes. Eine weitere etwas lustige Gemeinsamkeit von Migrant Mamas in Deutschland war, dass alle Fasching toll und gleichzeitig verwirrend fanden. Sonst empfinden sie die Deutschen eher als ernst und an Fasching wird diese Eigenart beiseite gelegt. Das Gleiche gilt für Weihnachten und die Schokoladen-Weihnachtsmänner oder den Osterhasen an Ostern. Allgemein kann man allerdings sich das verloren Fühlen als eine große Gemeinsamkeit bestimmen. Egal zu welcher Kultur oder Religion man angehört, als Migranten haben wir alle einen gemeinsamen Kern.

Migrant Mamas Gründerinnen Malik und Melissa mit ihrem Buch Mama Superstar.

Headerbild via © PR Migrant Mamas

© 2019 Overview Magazine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Editor's Choice

Weitere Artikel