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Aus dem Leben einer Bibliothekarin in der Bleiche Spa & Resort – Birgit Holler über ihre ganz eigene Welt

27. Jan 2019 von Jen
Ein Interview mit der Bibliothekarin des Bleiche Restort & Spa Birgit Holler

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„Es ist schön von dem umgeben zu sein, was man liebt.“  

Nicht weit entfernt von Berlin befindet sich das wunderschöne Hotel Bleiche Spa & Resort. 

So ein Hotel ist schon etwas ganz Besonders. Eine eigene kleine Welt, die ihre eigene Geschichte schreibt und nach ihren eigenen Regeln funktioniert. Ich selbst hatte schon zwei Mal das Glück, einen wunderschönen Aufenthalt in der Bleiche genießen zu können. Mal gemeinsam mit der ganzen Familie und Mal ganz alleine mit meinem Mann. Eine kleine kinderlose Auszeit, die jedem Paar gut tut. 

Dieses Mal wollte ich allerdings noch tiefer in den Alltag eines Hotels eintauchen und mir eine sehr spannende Person als Interviewpartner aussuchen. Und da die Bleiche über eine eigene Buchhandlung mit integrierter Bibliothek verfügt, habe ich die Bibliothekarin Birgit Holler zu einem Kaffeekränzchen getroffen. Eine wahnsinnig nette und liebevolle Frau, die unglaublich gute Lesetipps parat hat. Bald werde ich die besten Lesetipps in einem gesonderten Artikel offenbaren. 

Overview: Frau Holler, seit wann sind Sie Bibliothekarin in der Bleiche und was haben Sie davor gemacht?

Birgit Holler: Ich bin eine ausgebildete Bibliothekarin mit einem Fachschulabschluss aus der DDR. Bis zur Wende habe ich auch in einer Bibliothek gearbeitet. Diese wurde allerdings nach dem Mauerfall geschlossen. Somit bin ich in den Buchhandel gewechselt, wo ich ganze 20 Jahre lang gearbeitet habe. Ich wollte schon immer mit Büchern arbeiten. Etwas anderes konnte ich mir ganr nicht vorstellen, da ich als Kind in einer Bibliothek großgeworden bin. Meine Mutter hat auch in einer Bibliothek gearbeitet und ich saß jeden Nachmittag bei ihr und habe die Anwesenheit von den ganzen Büchern wahnsinnig genossen. 

Als meine Kinder dann erwachsen und selbstständig waren, dachte ich mir: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt nochmal etwas anderes zu machen. Da war ich 47 Jahre alt. Einer meiner Träume war es in einem tollen Hotel zu arbeiten. Das fand ich schon immer interessant und herausfordernd. Zufällig war zu diesem Zeitpunkt eine Stelle als Bibliothekarin in der Bleiche ausgeschrieben und so habe ich mich beworben und wurde genommen. Schon beim Vorstellungsgespräch hatte ich das Gefühl, ich bin hier richtig. 

O: Was genau hat Sie daran gereizt in einem Hotel zu arbeiten?

Birgit Holler: Das Hotelleben ist eine ganz eigene Welt. Eine Welt im Kleinen. Man bekommt so viele Geschichten zu hören von Gästen und Mitarbeitern. Ein Hotel ist ein geschlossener Raum, in dem Menschen zusammenkommen, die sich im wahren Leben vielleicht nie begegnen würden. Und das macht es sehr spannend. Ein schönes Gemisch aus Geschichten, unterschiedlichen Menschen und Lebenswelten. Und am Ende treffen sich doch alle in der Sauna, beim Essen oder in einer Lesung. 

O: Haben Sie auch Hotelgäste, die Sie gut kennen? Wo sich eventuell auch schon eine Freundschaft entwickelt hat?

Birgit Holler: Ich bin jetzt mittlerweile seit 7 Jahren hier in der Bleiche und das Hotel hat sehr viele Stammgäste. Die Gäste, die vorne durch die Drehtür schreiten und den Eingang passieren, haben das Gefühl, als würde der gesamte Ballast der Außenwelt von ihnen abfallen. Sie schreiten in eine behütete und kleine Welt ein und fühlen sich beschützt. Viele Gäste werden schon in der Lobby wie Freunde begrüßt, weil man sie all die Jahre schon kennt. Sie gehören schon mit zum Haus und für viele ist die Bleiche ein zweites Zuhause geworden.

Ein Interview mit der Bibliothekarin des Bleiche Restort & Spa Birgit Holler
@ Bleiche Resort & Spa

O: Was bringt der Alltag in der Bleiche für eine Bibliothekarin mit sich?

Birgit Holler: Das ist ganz schön unterschiedlich. Mittlerweile betreue ich unter anderem unser Literaturstipendium. Das gibt es schon seit 11 Jahren. Es richtet sich an deutschsprachige Autoren /Autorinnen. Natürlich ohne Altersbegrenzung. 

Es wird jedes Jahr ausgeschrieben und umfasst den Jahreszeiten gemäß vier Stipendien – manchmal auch 5. Die Gewinner können vier Wochen in der Bleiche leben und arbeiten bei freier Kost und Logis. Im Gegenzug werden sie gebeten, vier Lesungen für unsere Gäste zu halten und einen Text mit Bezug zum Spreewald zu verfassen. So können sie ihrem Alltag auch mal entkommen.

Zu meinen Aufgaben gehört die Betreuung der Autoren, die Organisation unserer Lesungen. Die Lesungen sind die einzige Gegenleistung der Autoren. Sie werden gebeten in diesen vier Wochen insgesamt vier Lesungen zu halten und einen Text mit Bezug zum Spreewald zu verfassen. 

Natürlich suche ich auch die Literatur für unsere Bibliothek und Buchhandlung aus. Die Bücher müssen zu unseren Gästen und zu uns passen. Viele Gäste kommen hierher und lieben es hier zu stöbern. Sie sitzen stundenlang in unserer Bibliothek und genießen die Zeit. Sie sind mittendrin und trotzdem für sich. Man hat hier die Zeit und die Muße dafür, sich mit Büchern zu befassen. Eine kreative und erholsame Phase für den Geist. 

O: Wann kann ich mich für das Bleiche-Stipendium bewerben?

Birgit HollerDie Bedingung für eine Bewerbung ist ein selbstveröffentlichtes Buch. Es muss ein gedrucktes Buch vorliegen oder ein realisiertes Projekt. Wir schreiben in vier Genren aus: Prosa, Theater, Drehbuch und Lyrik. Ein Theaterstück gibt es natürlich selten in Buchform, deswegen reicht hier eine öffentliche Aufführung auf einer Theaterbühne.

Ein Drehbuch muss verfilmt sein. Die Teilnehmer müssen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre Werke einsenden. Diese werden dann von unserer Jury gesichtet. O

O: Wenn man von so vielen Büchern umgeben ist, muss man doch traurig sein nicht alle lesen zu können?

Birgit Holler: Ja, das muss man aushalten können. So wie man auch nicht alle Orte auf der Welt besuchen kann, so werde ich auch niemals alle Bücher, die mich interessieren, bis an mein Lebensende gelesen haben. Aber manchmal ist es auch einfach nur schön, wenn man von Dingen, die man mag, umgeben ist. 

O: Haben Sie ein Lieblingsbuch oder Literaturrichtung? 

Birgit Holler: Bei Lieblingsbüchern bin ich immer ganz vorsichtig. Ich finde, das ändert sich im Laufe des Lebens. Mit 19 hätte ich sofort geantwortet: Maxi Wander: Guten Morgen, du Schöne oder Brigitte Reimann: Tagebücher und Briefe. Heute, 40 Jahre später, lese ich andere Bücher. Ich lese Bücher, die zu mir und meinem Leben passen. Und trotzdem müssen sie mir erlauben, neue Dinge zu entdecken und in neue Welten einzutauchen. 

Biografien und Geschichten über Frauen, die die Welt verändern wollten, finde ich beispielsweise sehr spannend und inspirierend. Auch habe ich in den letzten Jahren das Lesen von Gedichten wiederentdeckt. Aber wenn es mal schnell gehen muss und ich mich einfach entspannen möchte, lese ich auch gerne einen Krimi. Im Moment kann ich mich wunderbar bei französischen Krimis entspannen. Am Anfang gibt es eine Leiche, zwischendurch wird gegessen und getrunken und das Beste: der Täter wird am Ende gefasst. 

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