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Interviews

Minh-Thu: „Egal vor welchen Herausforderungen du stehst, bleib dir treu und lass’ dich nicht von deinem Weg abbringen!“

von Jen
Portrait der Tänzerin und Breakletics® Coachs in der adidas Runbase Minh-Thu

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Cause I’m REAL

Sport verändert Leben, macht kreativ, stark und etabliert Werte wie Teamgeist, Fairness und Ehrgeiz. Und genau aus diesem Grund möchten wir gemeinsam mit adidas jungen, aber auch etablierten Sportlern und Athleten eine Bühne geben, um ihre Geschichten zu erzählen, sie nahbar zu machen und zu stärken. So konntet ihr schon Interessantes über Menstruation und Leistungsfähigkeit im Profisport von Leichtathletin Ruth Spelmeyer erfahren oder über die Geschichte von Sportcoach Kaya Renz lesen. Ich bin der Meinung, dass es im Leben nicht auf den äußerlichen Erfolg sondern auf den inneren ankommt. Wer bestimmte Social Skills, wie zum Beispiel Teamgeist, Loyalität und Fairness nicht erlernt, der wird trotz einer erfolgreichen Karriere nicht glücklich werden. Und genau diese Social Skills kann man besonders gut beim Sport erlernen.

Glücklich zu sein, zu sich selbst stehen, das sind Paradigmen, die auch der Tänzerin, Athletin und Breakletics® Coach Minh-Thu Nguyen besonders am Herzen liegen. Die Berlinerin mit vietnamesischen Wurzeln hatte schon als Kind das Bedürfnis ihren Körper zu bewegen, zu tanzen und somit in eine für sie besondere Welt einzutauschen. Eine Welt, in der sie so sein konnte, wie sie wollte. Auch trotz des Widerstandes ihrer Eltern hat sie nicht aufgegeben zu tanzen und wusste tief in ihrem Inneren: „Es wird klappen! Ich muss nur REAL bleiben.“

Portrait der Tänzerin und Breakletics® Coachs in der adidas Runbase Minh-Thu

Tänzerin, Breakletics® Coach, Athletin und Model Minh-Thu Nguyen im Interview

Overview: Liebe Minh-Thu, du hast mit 13 Jahren angefangen zu tanzen. Wie kam es dazu und was waren deine nächsten Schritte, um deinen Traum vom Tanzen zu verwirklichen?

Minh-Thu: Man kann eigentlich sagen, dass ich schon immer getanzt habe. Nur leider konnten meine Eltern es sich nicht wirklich leisten diese Leidenschaft zu fördern. Sowohl finanziell als auch mental, waren sie nicht in der Lage meinen Traum vom Tanzen zu verstehen. Meine Erzieher haben mein Talent relativ früh erkannt und probierten sogar meine Eltern zu animieren. Allerdings hat das zu dieser Zeit noch nicht geklappt. Sie wollten es nicht und hatten auch kein Geld, Tanzstunden zu bezahlen. Das habe ich akzeptiert und habe stattdessen einfach in AGs mitgemacht. Als ich dann älter wurde, habe ich angefangen in einem Jugendzentrum zu tanzen und damit war der Startschuss gefallen: Ich wollte mehr!

Portrait der Tänzerin und Breakletics® Coachs in der adidas Runbase Minh-Thu

Overview: Was bedeutet du wolltest mehr? 

Minh-Thu: Ich habe mir eine Tanzschule im Internet herausgesucht und zeitgleich angefangen als Flyer-Verteiler zu arbeiten. So konnte ich die Tanzstunden selbst finanzieren. Das habe ich anfangs für mich behalten. Natürlich konnte ich das vor meiner Mutter nicht lange geheim halten, Mütter haben da einen ganz besonderen Sinn. Nach sechs Monaten haben wir es zusammen meinem Vater erzählt. Er war nicht sehr begeistert davon, aber wir haben alle gemeinsam die Abmachung getroffen, dass meine schulischen Leistungen darunter nicht leiden dürfen. So konnte ich meiner Leidenschaft nachgehen. Und so kam es, dass aus einem Mal tanzen die Woche zwei Mal, drei Mal oder auch vier Mal wurden. Ich wurde in eine Tanzcrew aufgenommen, wir hatten Auftritte und Meisterschaften.

Portrait der Tänzerin und Breakletics® Coachs in der adidas Runbase Minh-Thu

Overview: Du bist deiner Leidenschaft nachgegangen und hast bei Meisterschaften mitgetanzt. Im Nacken standen natürlich auch deine schulischen Leistungen. Wie ging es dann weiter?

Minh-Thu: Die Meisterschaften waren gerade zu meiner Abiturzeit. Wir haben uns damals mit meiner Tanzcrew für die Hip-Hop-Weltmeisterschaft qualifiziert. Die Weltmeisterschaft sollte in Las Vegas stattfinden. Um dort dabei zu sein, mussten wir uns aber erst mal in Deutschland qualifizieren und einen der ersten 3 Plätze ergattern. Das haben wir geschafft – Wir haben in dieser Qualifizierung sogar den ersten Platz geholt. Nach der Qualifizierung mussten wir am selben Abend noch zurück nach Hause fahren, weil am nächsten Tag unsere Abitur-Prüfungen losgingen. Ich habe fast die komplette Nacht noch gelernt, eine Stunde geschlafen und die Prüfungen geschrieben. Tanzen bedeutet einfach alles für mich. Ich habe mein Abitur geschafft und wollte dann die Welt sehen.

Overview: Wie war es, an der Weltmeisterschaft in Las Vegas teilzunehmen? Welchen Platz habt ihr belegt in der Weltmeisterschaft?

Minh-Thu: Es war einfach so schön. Ich kannte vorher die Weltmeisterschaft nur aus den verschiedenen sozialen Plattformen. Aber sie selbst tanzen zu können, ist natürlich etwas ganz anderes. Es waren Tänzer und Choreografen dabei, die mich schon als Kind total begeistert haben. Ich hätte wirklich niemals gedacht, dass ich auf dieser Bühne selbst irgendwann stehen würde. Wir sind als Mega-Crew mit ungefähr 20 Tänzern aufgetreten. Natürlich kann man auch in einer anderen Formation auftreten, beispielsweise als Solo-Tänzer. Wir haben den 11. Platz gemacht und es waren wirklich viele Tanzcrews da. 

Overview: Wie ging es danach weiter?

Minh-Thu: Ich bin für ein Jahr als Au-pair nach New York gegangen. Natürlich habe ich nebenbei immer getanzt und an meinem Stil gearbeitet. Anschließend bin ich für einen Monat nach Los Angeles gegangen und nach Mexico City. Als ich zurück in Berlin war, wusste ich erstmals nicht was ich machen möchte. Meine Eltern wollten, dass ich studiere. Das Problem war nur, mir hat kein Studiengang gefallen. Also entschloss ich mich Mode-Management zu studieren, damit konnte ich mich wenigstens identifizieren. Das Tanzen war dennoch immer präsent in dieser Zeit. Ich hatte auch schon während meiner Abiturzeit erste Tanzjobs in Musikvideos. Zu dieser Zeit hatte ich noch nicht das Gefühl, dass ich mit Tanzen wirklich Geld verdienen könnte. Also musste ich nach einer Alternative suchen, um ein zweites Standbein zu haben.

Portrait der Tänzerin und Breakletics® Coachs in der adidas Runbase Minh-Thu

Overview: Und wann kam der Knackpunkt, an dem du es zu deinem Hauptberuf machen konntest oder wolltest?

Minh-Thu: Irgendwie hatte ich dann nach meinem Studium Glück. Es hat sich so entwickelt, dass ich Tanzunterricht geben konnte, gemodelt habe und Sportstunden gegeben habe. Das alles zusammen hat funktioniert. So habe ich angefangen als Freelancer zu arbeiten. Ich entwickele Choreografien, gebe Tanzunterricht, arbeite als Tanz-Schauspielerin, gebe Sportkurse und bin sogar das Gesicht für Breakletics® HIIT the Beat und adidas Markenbotschafterin geworden. 

Overview: Was genau kann man sich unter Breakletics® HIIT the Beat vorstellen?

Minh-Thu: Breakletics® ist die perfekten Mischung aus funktionalen Übungen, effektivem HII-Training und mitreißenden Beats! Die Workouts vereinen Spaß und Funktionalität wie kein anderes Training. Die Übungen sind leicht zu lernen und sehr abwechslungsreich. Zudem ist die Musik so motivierend, dass du gar nicht merkst, wie deine Fitness, Koordination und Mobilität gestärkt werden! Ich liebe es, weil man sein Aussehen und seine Fähigkeiten formt.

Overview: Und du bist auch adidas-Markenbotschafterin. Wie kam es dazu und wie fühlt sich das an? 

Minh-Thu: Als ich das Angebot von adidas erhalten habe, konnte ich es erst kaum glauben. Ich hatte zwar noch nichts Festes in der Hand, hatte aber schon sofort die Antwort in meinem Kopf: Wow, natürlich möchte ich mit adidas zusammenarbeiten. Es war nicht so, dass ich genau auf eine solche Zusammenarbeit hingearbeitet habe oder davon geträumt hab. Geträumt habe ich vom Tanzen. Und deswegen habe ich es auch nie für möglich gehalten. Aber als ich es dann zum ersten Mal gehört habe, war ich Feuer und Flamme. Das war zu meiner Praktikumszeit in New York. Während meines Studiums musste ich ein Auslandspraktikum absolvieren. Ich habe zu der Zeit 40-50 Stunden gearbeitet und war trotzdem noch trainieren, um der Marke zu zeigen, wie viel mir das Tanzen bedeutet. Der einhergehende Ansporn gepaart mit der Anfrage von adidas war einfach überdimensional groß. Aus meiner Vergangenheit wusste ich auch, ich kann alles schaffen, wenn ich für meine Ziele kämpfe. Eine wichtige persönliche Erfahrung, die ich heute den Menschen in meinen Kursen mitgeben möchte – glaubt an Euch.

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Overview: Welche Werte versuchst du mit Sport zu vermitteln.

Minh-Thu: Bleibt euch selbst treu und versucht besser zu werden. Kämpft für eure Ziele. Lasst euch von Niederlagen nicht abbringen. Niemand ist perfekt. Sport bildet Werte wie Teamgeist, Fairness, Respekt und Ehrgeiz aus – diese Werte helfen auch außerhalb des Sports weiter. 

Overview: Haben deine Eltern nun deine Leidenschaft fürs Tanzen akzeptiert? 

Minh-Thu: Ja, jetzt mit 26 Jahren haben sie es endlich akzeptiert. Natürlich haben sie sich immer Sorgen gemacht. Sie wollten das Beste für mich: Ich sollte zur Schule gehen und mich weiterbilden, damit ich mich in Zukunft auch selbst finanzieren kann. Beide meiner Elternteile sind aus Vietnam und dort ist Bildung nun mal eines der wichtigsten Güter, um sich ein erfülltes Leben aufzubauen. Sie kennen es nicht, dass man mit unkonventionellen Wegen oder Berufsbildern Geld verdienen kann. 

Overview: Muss man ein Kämpfer sein, um Sportler oder Athlet zu werden?

Minh-Thu: Man muss vor allem wissen, was man möchte und die richtigen Entscheidungen treffen. Der größte Kampf, den ich hatte, war, herauszufinden wer ich sein will. Und auch der Kampf gegen Widerstand. Bei mir war das der Kampf gegen die Vorurteile meiner Eltern. Sie hatten einfach ein anderes Bild von mir, als ich selbst. Und beide Bilder haben nicht zusammengepasst. Mittlerweile fühlt sich mein Leben so an, als könnte im Hinblick auf meine Leidenschaft, dem Tanz, nichts passieren. Ich werde immer wieder aufstehen und weitermachen.

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Overview: Was genau fühlst du, wenn du tanzt?

Minh-Thu: Anfangs macht es einfach Spaß! Und irgendwann wird es mehr! Es entwickelt sich zu einer richtigen Leidenschaft. Ich habe gemerkt, dass ich in eine eigene Welt eintauche, ganz weit weg von den Sorgen des Alltags. Es gab eine Zeit in meinen Leben, als ich ungefähr 16 war, in der ging es mir nicht gut. Ich habe mich mit meinem Vater nicht verstanden. Meine Eltern sind sehr traditionell und katholisch. Wir hatten oft unterschiedliche Sichtweisen. Dadurch habe ich mich auch immer mehr in das Tanzen verliebt. Hier wurde ich akzeptiert, so wie ich bin. Ich konnte so sein, wie ich sein wollte. REAL.

Overview: Als Teil der adidas-Familie bist du eines der Gesichter der aktuellen We-Represent-Kampagne und hast dein eigenes Badge für die VRCT-Jacke kreiert. Warum hast du REAL gewählt? 

Minh-Thu: Zu zeigen wofür man steht und Menschen mit seiner eigenen Geschichte zu inspirieren, ist einfach enorm wichtig. Wir Sportler haben eine Vorbildfunktion und natürlich eine gewisse Reichweite, über die wir andere inspirieren und ermutigen können, für das einzustehen, woran sie glauben und dafür zu kämpfen, was ihnen im Leben wichtig ist. Ich habe das Badge REAL kreiert. Für mich ist es sehr wichtig, sich selbst treu zu bleiben. Egal, was geschieht. Und diese Botschaft möchte ich in die Welt tragen. „Egal, wie viel Druck von außen kommt, egal, was passiert oder vor welchen Herausforderungen du stehst – bleib dir treu und lass dich nicht von deinem Weg abbringen!“

Overview: Wie wichtig ist es für Kinder zu tanzen oder allgemein Sport zu machen?

Minh-Thu: Sehr wichtig. Ich sehe oft Kinder, die zuerst sehr distanziert und in sich gekehrt sind. Nach einigen Tanzstunden erkennt man sie oft nicht mehr wieder. Sie werden offener, sie reden mehr miteinander und sie fangen an, sie selbst zu sein. Dieser Prozess ist wunderbar. Sie wachsen durch Sport. 

Portrait der Tänzerin und Breakletics® Coachs in der adidas Runbase Minh-Thu

Dieses Interview entstand in Zusammenarbeit mit adidas.

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