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Meinung

Motivations-Tsunami: Brauchen wir einen Female Future Force Day?

von Jen
Ballons mit dem Female Future Force Day Logo
© Kerstin Musl

Am 25. August war es so weit: Fast 4.000 Besucher konnten in den Female Future Force Day in Berlin starten. Ein ganzer Tag voller Motivation, Inspiration und Networking. An diesem Tag wurde Female Empowerment besonders groß geschrieben. Was nicht bedeutet, dass männliche Besucher unerwünscht waren. Aber sie waren definitiv in der Unterzahl – als Redner und Teilnehmer. Das finden wir ziemlich schade, aber Würstchen gab es trotzdem und davon nicht zu wenig. Wir haben uns natürlich auch unters Publikum gemischt und haben für euch den Tag eingefangen. Ein tolles Event mit gemischten Gefühlen.

EDITION F und die zwei Frauen dahinter

Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert brauchen nach diesem Event wahrscheinlich erst mal einen erholsamen Urlaub. Sie haben sich monatelang auf Tag X vorbereitet und viele Frauen mit ihrer Arbeit motiviert und inspiriert. Sie haben ihnen die Möglichkeit gegeben sich an Ort und Stelle zu vernetzen. Beide Powerfrauen haben die Female Future Force Teilnehmer mit starken Gründerinnen und Unternehmerinnen zusammen gebracht. Sie haben ihnen Mut gemacht an ihren Zielen und Träumen festzuhalten – sie selbst in die Hand zu nehmen. Nichts ist motivierender als die Erfolgsgeschichte und Stärke meines Gegenübers, das mir hier im Berliner Funkhaus auf Augenhöhe in Fleisch und Blut gegenübertritt.

Doch schon vor dem Female Future Force Day haben Susann und Nora sich das Ziel gesetzt Frauen zusammenzubringen. Bereits 2014 haben sie mit der Gründung des Online-Magazins Edition F ein „digitales Zuhause für starke Frauen“ geschaffen. Eine Community für Frauen, „die ihre Karriere im Blick haben, denen Selbstverwirklichung wichtig ist und die Lust auf Neues haben – auf Inspiration, neue Menschen, Themen und Ideen“.

2017 wollten beide noch einen Schritt weiter gehen: Sie gründeten die Female Future Force Academy. Eine Art digitale Schule, in der ihre Community Online-Coachings und Web-Seminare besuchen kann. Mit dem Female Future Force Day haben Susann und Nora nun endlich diese große Community live an einem Ort zusammengebracht. Das zu managen ist kein Kinderspiel.

Susann Hoffmann und Vanessa Wohlert auf der Buehne des FFF Day

© Jule Mueller

Der Female Future Force Day

Karriere, Perspektive, Zukunft und Spaß waren Kernpunkte dieser sehr groß aufgezogenen Veranstaltung. Mit über 100 Rednern und über 80 Programmpunkten haben Susann und Nora sich einiges an Planung zugemutet.

Einen solchen Schritt zu gehen und ein so großes Event zu planen ist nicht einfach und das rechnen wir den beiden an. Es ist wirklich unglaublich, wie viele Frauen zusammengebracht wurden. Auch das Angebot war wahnsinnig groß – wir hatten Schwierigkeiten uns zu entscheiden. Es gab Panel Talks, Master Classes, Entrepreneurships und einige Randprogrammpunkt der Partner-Marken.

Funkhaus mt den Besuchern des Female Future Force Day

© Kerstin Musl

Sponsoren, Ticketpreise und das Würstchen Debakel!

Wie soll man diesen Sponsor entgegenstehen? Mit geteilten Gefühlen. Es braucht Geld, um ein solches Event zu veranstalten. Allerdings muss hier der Spagat zwischen Sponsor und Veranstalter äußerst bedacht gewählt werden. Ich hatte teilweise das Gefühl, auf einer sehr kommerziellen Veranstaltung gewesen zu sein. Zudem kamen noch die wahnsinnig teuren Ticketpreise hinzu. 300 Euro sind sehr viel Geld. Vor allem, weil man nur bedingt die Möglichkeit hatte an den Workshops und Panel Talks teilzunehmen. Auch das inkludierte Essen kann diesen Preis nicht rechtfertigen. Das gesamte Essen war Werbung der Sponsoren und leider qualitativ nicht überzeugend.

Am Frühstücksstand wurde man von großen, mit unendlich vielen Würsten gefüllten Körben in Empfang genommen. Dieser Anblick war – nun ja – sehr unschön. Zudem hatte man die Wahl zwischen Fertig-Müsli mit H-Milch und aufgebackenen Croissants. Hier hat das Essen die Zielgruppe in der Qualität und Zusammensetzung verfehlt.

Frühstücks-Buffet beim Female Future Force Day

© Kerstin Musl

Die Panel Talks, Master Classes, Entrepreneurships

Es haben wahrscheinlich schon viele mitbekommen, dass der Andrang auf die Workshops und Enterpreneurships wahnsinnig groß war. Die Folge: Alle Kurse waren innerhalb von 5 Minuten ausgebucht. Das war natürlich ärgerlich – vor allem, weil man schon vorher sein Ticket erwerben musste.

Einige Talks waren sehr motivierend und sehr interessant. Es gab aber auch Talks, die teilweise ein trauriges Ende genommen haben und mich ein wenig wütend machten. Der Panel Talk – Kann Mode die Welt verändern – ist beispielsweise ziemlich unglücklich in die falsche Richtung gegangen. Hier wurden Mini-Rock-Klischees und Frauen-Nippel thematisiert. Dank Anita Tillmann hatte dieser Talk doch einige Hochpunkte. Obwohl die fünf geladenen Talkgäste starke Frauen waren, die für Fortschritt stehen, haben sie sich in dieser Konstellation zu dem Thema ein wenig verrannt.

Programmplan Female Future Force Day

© Kerstin Musl

Das Funkhaus – die Location

Was für eine Location. Groß, verstreut und einfach nur groß. Für ein so großes Event muss auch eine sehr große Location her. Ob das Funkhaus der ideale Ort war, darüber lässt sich streiten. Mich hat das Funkhaus leider nicht überzeugt. Das lag vor allem daran, dass die Räume sehr aufgeheizt waren. Ich hatte teilweise Probleme, gesunde Luft einzuatmen, was wiederum die Konzentration beeinträchtigt hat. Von einigen Veranstaltungen musste ich leider nach draußen an die frische Luft flüchten. Was mir allerdings sehr gefallen hat, war die Kombination aus außen und innen. Die She-Mercedes-Lounge hat hier sehr gepunktet.

Female Future Force Day Besucher

Was sagten die Besucher? Viele der Besucher, eigentlich alle Befragten, haben sich ihr Ticket für den Female Future Force Day nicht selbst gekauft. Sie wurden von ihrer Firma dazu eingeladen. Ein großes Thema waren die schnell ausgebuchten Talks und Workshops. Auch nach der zweiten Aufstockung, die Edition F auf Drängen der Besucher unternahm, waren alle Kurse wieder innerhalb kürzester Zeit weg. Natürlich muss man hier in Betracht ziehen, dass es das erste Edition-F-Event in diesem Rahmen war. Die Powerfrauen werden bestimmt bei ihrem nächsten Event erörtern, wie sie dieses Problem entschärfen. Viele Besucher fanden das Event sehr motivierend. Sie freuten sich mit so vielen starken Frauen und Gründerinnen an einem Ort zu sein und mit ihnen offen und persönlich Reden zu können.

Fazit

Die Idee, einen Tag den Frauen zu widmen, sie zu stärken und ihnen Mut zu machen, ist prinzipiell eine sehr gute. Doch irgendwie kann ich mich nicht damit anfreunden, dass Männer zwar offiziell erwünscht und willkommen sind, aber sich auf solchen Veranstaltungen verständlicherweise eher nicht blicken lassen und sich sogar manchmal unwohl fühlen. Oft haben feministische Veranstaltungen einen Männerausgrenzenden Charakter. Und genau das ist auch der Punkt. Frauen möchten Gleichheit in allen Lebenslagen, grenzen allerdings in diesem Diskurs oftmals das männliche Geschlecht aus. Mich interessiert vor allem, wie Männer die Ungleichheit beispielsweise in Führungspositionen wahrnehmen. Was sie dazu sagen und wie ihre Vorstellungen eines aufeinander Zukommens sind. Der offene Diskurs mit allen Beteiligten bringt voran und grenzt nicht wieder andere Gruppen aus der Unterhaltung aus.Hier hätte ich mir mehr männliche Redner und Teilnehmer gewünscht. Männer und Frauen sind gleichermaßen inspirierend und motivierend und sollten für- und miteinander an einem Strang ziehen.

Jetzt möchte ich auf meine Anfangsfrage, Brauchen wir einen Female Future Force Day, zurückkommen. Hier bin ich mir sicher: Ja, wir brauchen einen Female Future Force Day! Wir brauchen starke Frauen, die so mutig sind wie Nora und Susann. Sie setzen Denkanstöße und tragen dazu bei, dass der Diskurs weitergeht und ausgereift wird.

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