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Interviews

Entdecke deine Umgebung. Walk This Way – Gründerin Berta Heide im Interview

von Hannah
Berta Heide schaut laechelnd in ihre Berta Berlin Map

Entdecke deinen Kiez mit BertaBerlin

Berta Heide ist gebürtige Berlinerin und hat ein Talent dafür, aus Problemen Lösungen zu entwickeln. Ihre Begeisterung Neues zu entdecken, brachte sie damals nach der Schule zuerst nach Peru und viele weitere Länder sollten darauf folgen. Berta weiß demnach nur zu gut um die Bedürfnisse und Hürden, die sich einem Fremden in neuer Umgebung stellen. Mit Walk This Way hat sie einen Minireiseführer mit von ihr sorgfältig kuratierten Empfehlungen entworfen. Die Idee ist simpel und dennoch gibt es kein vergleichbares Produkt auf dem Markt. Die Besonderheit der Minireiseführer liegt darin, dass Berta verschiedene Strecken auf der selbst gezeichneten Karte empfiehlt, bei denen man fußläufig Cafés, Restaurants & Bars, aber auch Sehenswürdigkeiten, Spiel- und Sportplätze erkunden kann. Das Motto ist simpel: Don’t think. Just walk. Die Themen der Karten sind vielfältig und finden mittlerweile auch bei Unternehmen großen Zuspruch. Wir freuen uns sehr, dass Berta nun ihr monatliches Highlight hier auf Overview mit uns teilt. Das Juni Highlight „Die 3 schönsten Gärten Berlins“ könnt ihr hier nachlesen. Wie Berta es geschafft hat, aus einer Idee ein skalierbares und attraktives Produkt zu entwickeln, erzählt sie euch nun selbst:

Overview: Du bist aus Berlin. Wie kamst du darauf, einen Berlin Reiseführer zu machen?

Berta Heide: Das kam eher aus der Not und Frustration heraus. Jedes Jahr fahren meine Mutter und ich in den Kurzurlaub. Vor drei Jahren sind wir nach Mailand geflogen und ich wollte einen Plan für die drei Tage haben: Wo kann man gut frühstücken, was muss man sehen, wo muss man hin und lang, wo kann man gut Espresso trinken, wo zu Abend essen usw. Ich habe sämtliche Reiseführer durchgeblättert und recherchiert, aber so eine Art vorgeplanten Ablaufplan von morgens bis abends, gab es irgendwie nicht. Ich habe selbst ab und an Airbnb-Gäste gehabt, denen ich jedes Mal aufs Neue erzählte, was man hier so tun könne. Dabei hätte ich ihnen lieber einfach etwas in die Hand gedrückt und die Zeit genutzt, sie selbst besser kennenzulernen. Und so fing ich dann an erst einmal in meinem Kiez, Neukölln, auf Recherche zu gehen und habe so nicht nur meine eigene Umgebung noch viel besser kennengelernt, sondern im weiteren Verlauf die ganze Stadt.

O: Was ist bei deinen Mini-Reiseführern so besonders?

Berta Heide: Ich mache Mini-Reiseführer für die jeweiligen Bezirke hier in Berlin. Die Faltpläne haben jeweils 3 verschiedene Gehstrecken eingezeichnet, mit den Top 5 Empfehlungen zu Cafés, Bars, Restaurants, Shops, Sehenswürdigkeiten, Spielplätzen, sportlichen Aktivitäten und so weiter. Mit den Mitarbeitern oder Inhabern bin ich auch selbst in Kontakt und erfahre etwas über sie und was sie machen und wenn ich das gut finde, dann liste ich sie in der Karte. Es geht darum, die Grundbedürfnisse des Fremden abzudecken und eine Orientierung zu schaffen.

O: Wie kamst du dazu? Was hast du vorher beruflich gemacht oder studiert?

Berta Heide: Ich bin in Lichtenberg geboren, in Mecklenburg Vorpommern zur Schule gegangen und dann zum Studieren wieder zurück nach Berlin gekommen. An der TU habe ich Kommunikationswissenschaften, Kunstgeschichte und Philosophie studiert. Ich war dann 6 Monate in Arequipa, Peru für ein Auslandssemester, später dann noch mal für ein Praktikum in Port Elizabeth, Südafrika, wo ich das AIESEC Programm initiiert habe, das es bis heute noch gibt. Vor dem Magister war ich dann noch in Vancouver, wo wirklich einen Traumjob hatte. Ich habe eine Infomesse dort organisiert für Studenten. Zurück in Berlin habe ich dann in kleineren Unternehmen das Marketing aufgebaut und schließlich eine journalistische Weiterbildung gemacht. Hab dann so meinen Referentenabschluss gemacht und angefangen in der PR zu arbeiten, hab Interviews geführt, Imagefilme gemacht, Advertorials geschrieben. Ich hab aber gemerkt, dass ich etwas brauche, um mich etwas mehr auszuleben und hab dann mit den Karten angefangen.

O: Wo findet man deine Karten und gibt es auch eine App dafür?

Berta Heide: Auf der Internetseite kann man meine Top5 nachlesen. Die Karte mit den Gehstrecken und Empfehlungen bekommt man dann in gedruckter Form. Die kostet dann 5€ und ist entweder über die Webseite bestellbar oder auch bei diversen Shops hier in Berlin erhältlich, auch für 5€. Eigentlich bin ich eher ein Fan von Offline, aber viele männliche Kunden fragen mich häufig, ob es auch eine App gäbe. An der sind wir momentan dran und wird hoffentlich im Herbst auf den Markt kommen. Ich muss aber auch sagen, dass es mich wirklich immer noch so wahnsinnig freut, wenn sich ein Mensch dazu entschließt 5€ in die Hand zu nehmen und eine meiner Karten kauft. Da geht mir wirklich mein Herz auf.

O: Mittlerweile bekommst du auch Aufträge von bekannten Unternehmen. Wie ergab sich das und wie genau funktioniert das?

Berta Heide: Anfangs habe ich mich nur auf die Bezirke konzentriert. Durch ein Event habe ich durch Zufall eine Frau kennengelernt, mit der ich mich eigentlich ganz unverfänglich auch einen Kaffee getroffen habe. Sie durchsuchte während unseres Treffens eigentlich die ganze Zeit ihre Kontakte und vernetzte mich dann mit jemandem aus der LGBTQ+ Szene, mit dem ich dann den QueerGuide erstellt hatte; meine erste individuelle Karte. Irgendwann hatte ich dann ein gutes Portfolio an Karten, das ich potentiellen Kooperationspartnern vorlegen konnte, damit diese eine Vorstellung bekommen, was ich eigentlich mache. So richtig selbsterklärend ist es dann doch nicht und im Gespräch davon zu überzeugen, inwiefern das neuartig ist, ist nicht so einfach. Doch so hatte ich dann etwas, womit jeder schnell etwas anfangen kann. Natürlich ist auch nicht jeder Kontakt ein Treffer, aber man muss einfach weiter machen. Deliveroo wurde dann mein erster Geschäftskunde. Die erste Karte war eine kulinarische Weltreise, die nach Ländern sortiert war. Danach kam die Picknick-Karte. Hier habe ich einige Parks und Picknick-Orte gescoutet, denn Deliveroo liefert auch an öffentliche Plätze. Das wissen viele gar nicht. Dann habe ich andere individualisierte Karten für bspw. das DDR Museum gemacht, eine VeganMap, eine YogaMap usw. Je nach Kunde, gibt es dann bestimmte Anforderungen und manchmal mache ich auch die Vorschläge. Im weiteren Verlauf kann es dann Neuauflagen der Karten geben und so gestaltet sich ein Geschäftsmodell draus.

O: Im Prinzip ist die Idee stark skalierbar. Was sind die Zukunftspläne für Walk This Way?

Berta Heide: Genau, ich habe jetzt über die letzten Jahre eine große Datenbank aufgebaut und ein Raster erstellt, worauf man gut aufbauen kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass dann als eine Art Franchise auf andere Städte auszubreiten. An Ideen mangelt es schließlich nicht. Jedoch brauche ich hierfür einen Partner, denn jeder soll fair bezahlt werden; der Graphiker, der Scout etc.

Für dieses Jahr steht auf jeden Fall noch die App an, zwei Neuauflagen und der Launch von drei neue Karten. Im nächsten Jahr dann hoffentlich ein Buch.

O: Das klingt ja alles super und einfach. Kommt dir das alles einfach so zugeflogen?

Berta Heide: Also das Glück und die Möglichkeiten kommen mir natürlich auch nicht zugeflogen, wenn ich faul auf der Couch herumliege. Man muss sich sein Glück machen. Ich bin offen und kommunikativ und werde durch jedes Gespräch inspiriert, wodurch sich neue Möglichkeiten ergeben und entwickeln. In der Schule war ich eigentlich eher die Außenseitern, die Streberin aus der ersten Reihe. Dabei saß ich da nur, weil ich schlecht gehört habe auf dem einen Ohr. Wie ich außerhalb der Schule so war, sah keiner und deswegen überrascht es meine ehemaligen Mitschüler wahrscheinlich eher, was ich heute mache. Ich sehe auch Vieles nicht durch die BWLer Brille. Nicht alles was ich mache führt direkt zu monetären Erfolgen. Ich arbeite auch gerne mit vermeintlichen ‚Konkurrenten‚ zusammen. Ich schaue eher nach Synergien, denn ich finde, das Leben ist zu kurz, um Kriege zu führen. Man kann sich immer irgendwie unterstützen und ergänzen.

Berta Heide sitzt lächeld auf dem Sofa
© Berta Heide

Get an overview w/ Berta Heide

Wer bist du?

Ich bin Berlinerin und mache Mini-Reisefürer für Berlin.

Wie sieht dein Masterplan aus?

Meinen Masterplan lebe ich gerade. Ich möchte Sachen machen, die man gerne macht. Mit meinem Unternehmen möchte ich expandieren, aber nicht jeden Preis. Ich will weiterhin qualitativ hochwertig bleiben. Ich bin stolz darauf, meinen eigenen Traum leben zu können. Ich reise und schreibe gerne und das ist der Kern des ganzen Produktes und es macht Spaß. Privat bleibe ich in Berlin bis ans Lebensende, wobei ich für Projekte temporär auch woanders hingehen würde. Ich möchte meine Freunde behalten und meinen Freund auch. Generell einfach zum Leben ja sagen.

Hast du einen Plan B?

Den hab ich nicht. Man muss ja an seinen Plan A glauben. Ich möchte auf jeden Fall immer einen Job machen, den ich gerne mache. Wenn es mit Walk This Way nicht klappen sollte, würde ich vielleicht etwas anderes gründen.

Was ist deine Achilles Verse?

Dass ich zu viel mache und zu vielem Ja sage. Ich muss einfach mehr Prioritäten setzen, aber ich trainiere jetzt nicht mehr nein zu sagen. Ich muss akzeptieren, dass ich nicht alles sofort machen kann. Aber wenn ich etwas gut finde und sage, dass man das in der Zukunft machen kann, dann steh ich auch dazu und wird auch gemacht.

Deine Tipps für GründerInnen?

  • Anfangen! Man darf nicht so lange hin und her planen. Man muss einfach ausprobieren und das auf der einfachsten Ebene. (Eine App bspw. kann man auf Zetteln ein analoges Mock Up erstellen. Einen Dummy, den man dann Freunden gibt und so schaut, was sie klicken würden und wir ihr Nutzerverhalten ist.)
  • Durchhalten! Es ist nicht alles immer leicht. Es gibt oft Rückschläge, aber da muss man einfach immer weiter machen. Ich hab auch Tausende Rückschläge gehabt, aber dann frag ich einfach zu einem späteren Zeitpunkt noch mal nach und hake nach warum sie momentan keine Kooperation eingehen möchten.

Was sind deine 3 Stärken?

Kommunikativ, kreativ, gut im Organisieren

Ein Satz, der dich geprägt hat?

Gestern hat jemand zu mir gesagt: Du bist der Markt. Aber eigentlich werde ich von jedem Gespräch irgendwie positiv beeinflusst. Ich bin einfach ein Optimist. 

Wer hat einen Blumenstrauß verdient?

Mein Freund.

Dein Lieblingsgericht?

Ich liebe Desserts. Am besten Crema Catalana, das beschreibt mich am besten. Aber selbst kochen kann ich nicht.

Dein Gedanke bei folgenden Wörtern:

Urlaub: Nächste Reise nach Italien, Mailand

Essen: Kuchen

Erfolg: Bedeutet für mich eher glücklich zu sein. Alles machen zu können, was man möchte und das auch zu teilen.

Instagram: Jeden tag ein Post.

Wie wäre der Mensch, der das Gegenteil von dir wäre?

Deprimiert.

Hast du ein Motto?

Ich mache jeden Tag eine Sache, die mich glücklich macht. Das kann ein bspw. Pyjamatag sein. Außerdem mache ich jeden tag einem anderen Menschen eine Freude, bspw. in Form eines Kompliments. Also jeden Tag etwas für mich machen und für jemand anderen.

Was möchtest du tun, hast dich aber noch nicht getraut?

Ich möchte gerne mal ein paar Monate in New York abhängen. Eigentlich bräuchte ich 4 Leben für all das, was ich machen möchte.

© 2019 Overview Magazine

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