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Interviews

Ballons, Seife und eine Prise Naivität: Wonderbar Soap und BOOOM BALLOON Gründerin Paloma Cheyenne im Interview

von Faina
Gründerin Paloma Cheyenne Bradtke mit Naturseifen von Wonderbar

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Warum wir umdenken

Sprüche, wie „Du bist, was du isst“ kennt jeder. Die Auseinandersetzung mit den Zusätzen in Lebensmitteln sorgt zumindest für ein wenig Achtsamkeit beim Essen. Wie steht es allerdings um unsere Achtsamkeit bei den Produkten, die auf unsere Haut kommen? Immerhin vergessen wir häufig, dass die Haut nicht einfach eine isolierte Hülle ist – sie atmet, nimmt Inhaltsstoffe und Umwelteinflüsse auf und reagiert dementsprechend. Schon mit Kommunikationsberaterin Michaela Aue sprachen wir über ein Leben mit mehr Achtsamkeit und MERME Berlin Gründerin Claire Ralston über die 1-Ingredient-Philosophie.

Zu Zeiten des wachsenden Umweltbewusstseins scheint auch dies eine große Rolle zu spielen. Adieu toxisch klingende Inhaltsstoffe, die über 15 Zeilen verlaufen und einen nichtssagenden Hinweis hinterlassen. Wer nicht aus der Naturwissenschaft kommt, dem bringen die Auflistungen herzlich wenig. Umso wichtiger sind jene Menschen, die sich solchen Problemen annehmen. So wie Paloma Cheyenne Bradtke. Nachdem Paloma vor vier Jahren ihr erstes Unternehmen BOOOM BALLOON gründete, nahm sie 2018 die Kosmetikindustrie unter die Lupe. Heraus kam eine Naturseife, die für sich selbst spricht.

Das Unternehmen Booom Balloon von Paloma Cheyenne Bradtke.

Die Unternehmen haben wir euch bereits vorgestellt. In dem Beitrag erfahrt ihr weitere spannende Details über die natürliche Wunderseife von Wonderbar Soap oder über das farbenfrohe Ballon-Unternehmen BOOM BALLOON.

Overview: Erzähl doch ein wenig von dir. Wer bist du und was machst du?

Paloma Cheyenne Bradtke: Ich habe in Berlin an der BTK Fotografie und Design studiert und wollte danach in die kreative Richtung. Ich komme aus Amerika und bin deutsch-amerikanisch aufgewachsen und wollte gern die englische Sprache wieder um mich herum haben. Damals hielt ich London für den idealen Ort. Ich startete ein Praktikum in einer Eventagentur, merkte aber schnell, dass es mir nicht gefällt. Die Hierarchien waren schlimm, es war wie in dem Film „Der Teufel trägt Prada“. Ich war erschüttert, wollte allerdings nicht aufgeben, weil dies eigentlich mein Traum war.

„Der Ballon war mein Highlight..“

Eines Tages musste ich die Post von ganz unten aus dem Keller holen und da stand ein riesiges Paket. Meine Laune verschlechterte sich nur noch mehr, weil ich dachte, es wäre schwer. Ich hob es an und es war wider erwarten unfassbar leicht. Als ich es oben öffnete, schwebte plötzlich ein Ballon heraus. Es war eine tolle Überraschung, vor allem da ich eh schon so unglücklich war wegen des Praktikums. Der Ballon war mein Highlight und beschäftigte mich gedanklich einige Zeit, weil es so eine vermeintliche Kleinigkeit war. Es war übrigens eine Bewerbung für eine Praktikumsstelle. Die Stelle war sehr begehrt, daher waren die Bewerbungen umso kreativer. Sie haben Kekse mit den Bewerbungen drin gebacken, Collagen erstellt oder Ballons geschickt.

Einige Wochen später kristallisierte sich die Idee heraus, dass ich gern etwas Eigenes machen möchte und da kam mir die Idee mit dem Ballon. Ich wollte diese Freude weiter geben und schaute, ob es in Deutschland bereits etwas Ähnliches gab. Vor vier Jahren waren die Ballonunternehmen noch sehr veraltet und sahen weder modern, noch spaßig aus. In dem Moment entschied ich mich dazu nach Berlin zurückzuziehen, brach mein Praktikum ab und gründete mein erstes Unternehmen BOOOM BALLOON. Das war vor vier Jahren und es läuft richtig gut.

„Das geht bestimmt auch natürlicher!“

Im vergangenen Sommer habe ich mich immer mehr für Naturkosmetik interessiert und mich gefragt, was wir da eigentlich wirklich auf unsere Haut auftragen. Eines Tages habe ich mir beim Händewaschen die Inhaltsstoffe meiner Flüssigseife durchgelesen und habe dabei nur die Hälfte verstanden. Die andere Hälfte hörte sich toxisch an. Da dachte ich mir: „Das geht bestimmt auch natürlicher“. Also habe ich recherchiert und aus dem Bauch heraus entschieden, dass ich meine eigene Seife herstellen möchte. Ich mache alles nach Bauchgefühl und mir fiel auch direkt ein Name ein. So ist Wonderbar entstanden: Eine 100-prozentig natürliche Seife ohne Parabene, Sulfate oder irgendwelche anderen Chemikalien. Zudem ist die Seife auch noch gut für die Umwelt, denn wir vermeiden Plastikverpackungen. Letzten Dezember bin ich dann mit dem zweiten Unternehmen Wonderbar online gegangen.

Ich hatte immer das Gefühl, dass ein Stück Seife etwas für ältere Menschen wäre und habe deswegen mein ganzes Leben lang Flüssigseife genutzt. Die Wonderbar kann man gut ersetzen und auch als Duschseife, als Gesichtsseife, für die Hände sowieso oder auch als Rasierseife verwenden. Ich rasiere mir meine Beine beispielsweise immer mit der SMELLS LIKE GRL PWR Seife.

O: Das heißt, du machst alles immer aus einem Bauchgefühl heraus?

Paloma Cheyenne Bradtke: Ja, komplett. Viele recherchieren nach Zielgruppen oder Ähnlichem bevor sie gründen. Ich mache das nicht, denn meine Meinung ist mir wichtig. Deswegen lasse ich mich nicht von anderen beeinflussen oder verunsichern. Wenn ich etwas richtig toll finde, dann gebe ich dem auch den Wert und denke mir „Wenn ich es toll finde, dann finden es bestimmt auch alle anderen toll“. Sobald das Bauchgefühl da ist, ziehe ich es auch durch. Ich habe Wonderbar beispielsweise in rund drei Monaten gegründet, was relativ schnell war.

O: Woher aus Amerika kommst du?

Paloma Cheyenne Bradtke: Ich komme aus New York und bin mit sechs Jahren hergezogen. Meine Eltern sind beide deutsch, haben aber 20 Jahre lang in New York gelebt. Deswegen sind auch alle meine Produkte auf englisch benannt, denn ich liebe diese Sprache. Ich war auch beispielsweise auf einer deutsch-amerikanischen Schule, der John F. Kennedy in Berlin.

O: Hast du auch mal überlegt deine Produkte nach Amerika zu bringen?

Paloma Cheyenne Bradtke: Nein, nach Amerika würde ich zumindest erst mal nicht expandieren wollen. Was ich aber toll finde ist, dass ich mit Wonderbar europaweit handeln kann. Es ist ein komplett anderes Produkt als BOOOM BALLOON, was ja tatsächlich nur deutschlandweit funktioniert. Gerade bei Naturkosmetik gibt es viele Richtlinien und Papierkram, der ausgefüllt werden muss. In Amerika sind die ganzen Kosmetikrichtlinien etwas spezieller und ich glaube, da ist es nochmal schwieriger, aber es wäre natürlich eine Idee.

Es gibt allerdings auch in Deutschland viele Richtlinien, die zu beachten sind. Für große Ketten ist es beispielsweise wichtig, dass die Produkte lange haltbar sind. Bei unseren Seifen liegt die Haltbarkeit bei 18 Monaten und da lässt auch nur der Duft nach. Abgesehen von den ätherischen Ölen kann Seife bis zu fünf Jahre benutzt werden, nur eben nicht auf den Markt gebracht werden. So sind die Richtlinien.

O: Hast du dir dein Wissen über die Inhaltsstoffe selbst angeeignet?

Paloma Cheyenne Bradtke: Ja, in Deutschland denken viele, dass man erst einen Master machen oder einen Kurs belegen muss, um das notwendige Wissen zu haben. Wenn das Interesse allerdings besteht, kann man sich das notwendige Know-How auch selbst aneignen. Wir haben heute das große Glück schnell und leicht an Informationen über das Internet zu kommen. Natürlich habe ich mir dennoch professionelle Hilfe dazu geholt. Ich arbeite mit einer kleinen Seifenmanufaktur zusammen. Ein süßes Ehepaar, die seit 15 Jahren Seifen herstellt. Ein guter Kontakt zwischen dem Hersteller und mir war mir sehr wichtig, vor allem aber, dass dieser ebenso viel Herzblut in Wonderbar hineinsteckt, wie auch ich.

O: Hast du einen Tipp für Menschen, die sich eventuell nicht so gut mit Inhaltsstoffen auskennen?

Paloma Cheyenne Bradtke: Es gibt viele Apps wie CodeCheck, mit denen du ganz einfach die ganzen Inhaltsstoffe herausfinden kannst. Solche Apps zeigen an, welche Inhaltsstoffe eventuell gemieden werden sollten. Ansonsten kann ich jedem empfehlen einfach drauflos zu recherchieren. Um transparent zu bleiben, erkläre ich auf unseren Verpackungen hinter den Inhaltsstoffen in Klammern um welchen Inhaltsstoff es sich handelt, sodass jeder weiß, was drin ist und was er benutzt. Das habe ich mal bei einer Flüssigseife nicht gehabt und wir wissen wo das geendet ist. Ich habe die Hälfte nicht verstanden, alles hörte sich gefährlich an und deswegen ist es so wichtig transparent mit den Inhaltsstoffen umzugehen. Ich sage immer: „Je weniger Inhaltsstoffe drin sind, desto besser“. Das kann man sich gut als Regel merken. Der Trend geht auf jeden Fall dahin, dass wir verstehen möchten was drin ist, um unser eigener Experte zu sein.

„Die Haut ist nicht dumm“

Die andere Sache ist, dass der Körper nicht dumm ist und weiß, was zu tun ist. Wenn wir einfach mal alles Unnatürliche weglassen, repariert sich der Körper von selbst. Zumal vieles davon abhängt, was wir unserem Körper von innen zuführen. Wir wissen doch mittlerweile, dass sich gesunde Ernährung und viel Wasser positiv auf unsere Haut, Lippen und Haare auswirkt.

Ich hatte vor ein paar Wochen eine periorale Dermatitis, was häufig von einer Überpflegung kommt. Vor allem im Winter dachte ich immer umso fettiger, desto besser, aber meine Ärztin riet mir alles wegzulassen, denn die Haut fettet von allein. Das ist viel besser als eine parfümierte Creme aufzutragen, die die Hautbarriere eh wieder kaputt macht.

O: Denkst du, dass wir bei natürlichen Pflegeprodukten Abstriche hinnehmen müssen? Zum Beispiel keine weiche Haut?

Paloma Cheyenne Bradtke: Nein, ich glaube, man macht gar keine Abstriche. Früher habe ich nur Duschgel benutzt und da nicht auf die Inhaltsstoffe geachtet. Heute weiß ich, dass es viele Weichmacher enthält damit die Haut sofort weich und seidig ist. Nachdem ich anfangs die natürliche Seife benutzte, stoppte es ein wenig auf der Haut, aber nach einigen Wochen war das Gefühl weg, denn die Haut gewöhnt sich daran und spürt, dass sie die ganzen Chemikalien nicht mehr drauf hat. Ich fühle mich ehrlich gesagt viel gesünder und weiß, dass ich meiner Haut etwas Gutes getan habe.

O: Was hältst du von Methoden wie No Poo, bei der man auf Shampoo verzichtet und stattdessen Roggenmehl nimmt?

Paloma Cheyenne Bradtke: Ich glaube, das kann funktionieren. Ich habe eine Freundin, die ihre Haare seit einiger Zeit nur mit Wasser wäscht. Ich bin wirklich ein Freund von so wenig wie möglich und wasche meine Haare selbst auch nur ein bis zwei Mal die Woche.

O: Welche ist deine Lieblingsseife?

Paloma Cheyenne Bradtke: Ich würde sagen, die I love you so matcha, denn ich liebe Matcha. Die Seife ist enthält Sheabutter, daher auch toll für den Winter, denn sie ist schön cremig. Ansonsten mag ich die GRL PWR mit Rosen- und Mandelöl, die ist auch toll für den Winter, weil das Mandelöl richtig schön pflegend und fettig ist.

O: Deine Seifen enthalten häufig Tonerde. Ist das nicht austrocknend für die Haut?

Paloma Cheyenne Bradtke: Nein, eigentlich nicht. Ich würde in den Wintermonaten tatsächlich nicht unbedingt mit Heilerde an die Haut gehen, wenn man sensible Haut hat wie ich. Ansonsten sind unsere Seifen immer mit einem Öl angereichert, sei es Rizinusöl oder ein anderes pflegendes Öl.

O: Planst du für die Weihnachtszeit spezielle Seifen?

Paloma Cheyenne Bradtke: Ja, ich habe kurze Zeit überlegt, ob es wirklich weihnachtlich werden soll, denn dafür sind wir gefühlt auch schon wieder zu spät dran. Es wird trotzdem auf jeden Fall eine Weihnachtsseife geben, aber die ist so schön, dass ich überlege sie im Sortiment zu behalten. Kleiner Teaser: Sie wird nach Zimt riechen. Außerdem ist noch in Planung eine Seife für sensible Haut, die ganz ohne ätherische Öle auskommt, für Allergiker geeignet und super pflegend ist. Ich kann schon verraten, dass sie mit Pfirsichkernöl sein wird. Ich war im ersten Moment nicht sicher, ob ich wirklich auf den Duft verzichten möchte, obwohl alles natürlich ist. Aber ich muss sagen, es ist wirklich angenehm so etwas auch Mal im Gesicht zu benutzen. Die Seife riecht sogar leicht fruchtig, obwohl nichts drin ist, außer dem Aprikosen- und Pfirsichkernöl. Ich bin gespannt, wie die Seife ankommen wird. Ich halte es gerne minimalistisch. 

O: Die Meinungen darüber, ob Öl gut für das Gesicht ist, gehen sehr auseinander. Wie siehst du das?

Paloma Cheyenne Bradtke: Das frage ich mich auch noch. Jeder Hauttyp reagiert unterschiedlich. Ich bin mir beispielsweise noch nicht sicher woher meine periorale Dermatitis tatsächlich kommt. Ich benutze kaum Produkte, schminke mich mit einem Mizellenwasser ab, benutze tagsüber nur Puder und nutze eine Avène Creme für sensible Haut, die ich seit Jahren verwende. Allerdings hatte ich einige Wochen zuvor Gesichtsöle ausprobiert. Jede Haut reagiert anders und eigentlich liebe ich Gesichtsöle, obwohl ich zuvor dachte es wäre viel zu fettig. Meine Haut war morgens wirklich schön und hatte keine Pickelchen, was ich bei anderen reichhaltigen Pflegen jedoch habe. Da muss jeder selbst ausprobieren, ob und welche Öle er nimmt. Ich habe neulich die Gründerin von MERME Berlin getroffen und mag ihre Öle sehr, da sie auf einem Inhaltsstoff basieren.

O: Bist du beim Gründen auch mal an deine Grenzen gestoßen, aus bürokratischer Sicht zum Beispiel? Welche Schritte musstest du auf dem Weg machen?

Paloma Cheyenne Bradtke: Ich bin der Meinung, dass es beim Gründen keine Hürden gibt, wenn man für die Sache brennt. Da ich schon einmal gegründet hatte, fiel es mir mit Wonderbar umso leichter und deswegen ging alles viel schneller. Es lief bei BOOOM BALLOON und Wonderbar eigentlich relativ gleich ab. Zuerst muss die Marke angemeldet werden und ich kenne kein Amt, dass netter oder hilfsbereiter ist. Die Menschen, die dort arbeiten sind interessiert an den Ideen und helfen gern. Es wird geprüft, ob der Name überhaupt verfügbar ist, was immer ein bisschen dauert. Sie bieten aber auch tolle Programme an, einmal die Woche kommt beispielsweise ein Rechtsanwalt, mit dem ein freier Termin vereinbart werden kann, um noch einmal Rücksprache zu halten.

Step by step

Ansonsten ist es natürlich viel Bürokratie und Papierkram, aber es geht, sobald man sich einmal reinliest. Dann sucht man sich einen Hersteller, mit dem man sich versteht und arbeiten möchte. Ich habe mehrere Manufakturen angesprochen, von denen ich einen zum Beispiel gar nicht toll fand. Für mich muss es auch menschlich passen, denn man wünscht sich ja eine gute Partnerschaft. Man sollte einfach einen Schritt nach dem anderen machen und schauen, was auf einen zukommt.

O: Wie hast du das finanziert? Hast du nebenbei gearbeitet?

Paloma Cheyenne Bradtke: Ich habe BOOOM BALLOON mit 1.300 Euro gegründet, was super wenig ist. Dafür hatte ich mein erspartes zusammengekratzt. Ich konnte viel Handarbeit reinstecken, selbst produzieren und habe die Arbeitszeit natürlich nicht mit eingerechnet. Dadurch konnte ich glücklicherweise alles Schritt für Schritt machen. Ich habe mit kleinen Bestellungen begonnen, ein paar Ballons bestellt, kleine Mengen an Materialien nachbestellt bis die Nachfrage groß genug war, um größere Bestellungen aufzugeben. Das ging eigentlich relativ leicht. Mit BOOOM BALLOON war ich nach etwa drei Monaten Break-even und konnte dadurch anschließend Wonderbar Soap produzieren.

Ich bin sehr anti-Investor gestimmt, weil ich gern meinen Überblick behalte und lieber organisch wachse, als mir jemanden reinzuholen, der eine andere Meinung hat und eventuell Druck ausübt. Deswegen musste ich nicht noch zwischendurch arbeiten, weil ich einfach alles Schritt für Schritt aufnehmen, mit kleinen Bestellungen anfangen und peu à peu mit dem Geld hantieren konnte, bis das Unternehmen gewachsen ist. So kann ich nach Bauchgefühl handeln, was mir sehr wichtig ist.

O: Du hast deine Unternehmen aus Marketing- und PR-Sicht sehr geschickt aufgezogen. Liegt dir das im Blut?

Paloma Cheyenne Bradtke: Ich komme eigentlich gar nicht aus dem Marketing- oder PR-Bereich und darin liegt mein Glück. Dadurch, dass ich es nicht gelernt habe, gehe ich auch eventuell anders heran. Mein Geheimtipp ist, dass ich einfach super naiv bin. Ich schreibe Leute an, natürlich alles nach Bauchgefühl und stelle meine Sachen vor. Manche Magazine habe ich angeschrieben, andere kamen auf mich zu. Es ist diese naive Herangehensweise und nicht dieses kalkulierte klassische PR-/Marketing-Denken. Plus, wenn du ein gutes Produkt hast, ist das auch schon eine Menge Wert. Meine Seifen treffen zusätzlich den aktuellen Zeitgeist, da sich mehr Menschen für natürliche Produkte und Inhaltsstoffe interessieren. Es ist wohl eine Portion Glück und Naivität sowie das Timing und sobald du einmal in der Presse bist, ist es ein Selbstläufer, dann meldet sich der Nächste.

O: Wolltest du jemals aufgeben?

Paloma Cheyenne Bradtke: Nein, eigentlich nicht. Als ich BOOOM BALLOON gegründet habe, hat mich eine Freundin gefragt wie lang ich dem ganzen Zeit geben will. Ich meinte „So lang, wie es braucht“. Ich habe bis heute noch die Einstellung, dass ich gar nicht ans Scheitern denke. Es ist doch recht deutsch darüber nachzudenken was passiert, wenn alles schief läuft. Da habe ich sehr die amerikanische Denkweise übernommen, dass eben alles machbar ist. Wenn ich zum Beispiel Kritik gebe, dann nenne ich erst etwas Positives und verpacke die Kritik nett. 

O: Planst du weitere Unternehmen?

Paloma Cheyenne Bradtke: Ich kann nicht nein sagen, denn ich hatte ja auch nicht darüber nachgedacht Wonderbar zu gründen. Es kam einfach eines Tages und hat mich selbst überrascht. Wenn mich ein Thema interessiert und es auf dem Markt nichts gibt wie ich es mir vorstelle, kann es gut sein, dass ich sage „Dann mach ich das halt selber“. Es kommt auf die Einstellung an und mit dem Grundgedanken „Dann nehme ich das selbst in die Hand“ kommt man wohl am Weitesten.

O: Du hast Design studiert. Wie kamst du auf das Studium?

Paloma Cheyenne Bradtke: Eigentlich habe ich Design mit Schwerpunkt Fotografie studiert. Ich war nie gut in der Schule. Mir fehlte die Kreativität, aber dadurch, dass ich auf einer deutsch-amerikanischen Schule war, konnten wir einige spezielle Fächer wählen. Damals belegte ich Psychologie oder auch Environmental Studies sowie Fotografie. Ich habe viel analog fotografiert und habe meine Filme schon in der Schulzeit selbst entwickelt. Jetzt kann ich es ja sagen: ich habe meine Mathestunden dafür geschwänzt und war permanent in der Dunkelkammer. Da wurde mir klar, dass ich etwas Kreatives machen möchte.

In der Uni habe ich eine Gruppe kennengelernt, die Kommunikationsdesign studiert haben. Ich konnte ein paar ihrer Kurse belegen und habe immer mal reingeschaut bei Flyerdesign, Produktdesign und ähnlichem. Ich habe viel Wissen beiläufig aufgenommen, was mir heute hilft. In London habe beispielsweise ein weiteres Praktikum bei einer Modedesignerin gemacht, die sich auch selbstständig gemacht hat. Dort habe ich das erste Mal gesehen, wie man als kleines Startup arbeiten kann. Wenn ich im Nachhinein zurückschaue, fügt sich alles doch zusammen. Ich habe nie geplant mich selbstständig zu machen, habe mich immer irgendwo anders beworben, aber nichts gefunden, was mir richtig gefallen hat.

O: Was machen denn deine Eltern?

Paloma Cheyenne Bradtke: Mein Vater ist Künstler und meine Mutter ist ein Gesamtkunstwerk. Sie hat früher getanzt, lange Zeit in New York gemodelt, schreibt Gedichte, ist auch Künstlerin und zieht sich crazy an. Ich wüsste nicht, was sie nicht macht. In meiner Familie sind alle selbstständig, deswegen kenne ich gar keine andere Art des Arbeitens. Mein Bruder ist jetzt ein wenig raus, weil er Medizin studiert. Normalerweise sind Eltern über so eine Entscheidung begeistert, aber meine Eltern waren etwas skeptisch.

Get an overview w/ Paloma Cheyenne Bradtke

Hast du mal etwas Lustiges in deiner Jugend- oder Studentenzeit gejobbt?

Ich habe mal als Candy-Girl im Felix-Club gearbeitet. Wir waren etwa zehn Mädchen und wurden mit 18 von allen angemacht. Feministisch könnte ich das nicht mehr unterstützen, denn wir mussten mit riesigen Absätzen rumlaufen und Lollies verteilen.

Was wolltest du als Kind werden?

Ich wollte ganz lange Popstar werden. Ich habe sogar meinen Bruder davon überzeugen können. Meine Überzeugungskraft war so gut, dass er mir jeden Tag fünf Cent geben musste, damit ich ihm irgendwann alles zurückzahle, wenn ich ein Popstar bin. Das war mein erstes Geschäftsmodell.

Kannst du denn singen?

Nein, auf gar keinen Fall.

Hast du einen Plan B?

Nein, ich bin kein Plan-B-Mensch. Ich nehme alles Schritt für Schritt wie es kommt und mache keine Zukunftspläne. Ich glaube, das ist der beste Weg: Naiv und planlos durch dass Leben zu gehen, wenn man offen für Neues ist.

Was inspiriert dich?

Ich liebe Kunst, Ausstellungen und Farben. Alles was bunt ist, spricht mich an. Ansonsten sprechen mich Verpackungen an, egal ob es eine Smoothieverpackung bei Rewe ist oder ein neuer Joghurtbecher, das gucke ich mir sofort an. Mich kann alles inspirieren. Vor allem Sachen aus dem Alltag, aber auch Songtexte und Zitate.

Was bedeutet für dich Kreativität?

Kreativität ist Freiraum, um das zu machen was man will und natürlich viel aus dem Bauch heraus zu machen.

Wenn du eine Minute Zeit hättest und dir die ganze Welt zu hören würde, was würdest du sagen?

Mein Motto ist: Kindness is magic und ich glaube, das bringt es auf den Punkt. Egal was du machst, Freundlichkeit ist das Wichtigste im Leben und kann viel bewirken.

Wann ist der richtige Zeitpunkt etwas Neues zu starten?

Jetzt sofort. Wenn man etwas will, soll man sofort anfangen. Ich hatte Freundinnen, die auch gründen wollten, aber zu lange mit der Idee gehadert haben und nicht angefangen haben, sondern den Zeitpunkt immer hinausgezögert haben. Der Zeitpunkt ist halt jetzt.

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© 2019 Overview Magazine

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